NOCH MEHR KULTUR

Für mehr Kultur

Die Theater stellen ihre Spielpläne langsam vor, die Museen kündigen neue Ausstellungen für die kommenden Monate an und die Konzerte sind sowieso schon seit Monaten wieder eingeplant. Gut, das ist jedes Jahr so und jedes Jahr verbindet sich das mit einer Unmenge an Vorsätzen. Heuer gehe ich wirklich mehr ins Theater, die Studententickets sind eh so billig. Am Wochenende ins Museum muss schon drinnen sein und die zwei Stunden werden sich wohl ausgehen.

Oft genug endet das aber mit einem netten Kalendereintrag...

... der ungelesen als Alarm gelöscht wird, irgendwas ist immer und das Museum ist morgen ja auch noch da. Ein Freund braucht was, in der Arbeit dauert es länger oder eine Seminararbeit ist sich doch nicht rechtzeitig ausgegangen. Immer der gleiche Alltag, der im pro und contra gewinnt. Dabei wäre es ja nicht so, als ob dieser ganze öde Kulturzirkus ein Hindernis des gesellschaftlichen Lebens darstellt. Im Gegenteil. Gemeinsam ins Theater zu gehen macht die Unterhaltung bei einem Cocktail danach erst recht interessant. Wie war die Inszenierung, ist das Bühnenbild gelungen oder eine reine Ausgeburt an Wahnsinn zugunsten der modernen Adaption? Welcher Schauspieler muss noch lernen, welche Hauptrolle hat die Emotion gut rübergebracht?

Und die Vorplanung ist auch gar nicht nötig, weil die Studententickets erst an der Abendkassa so ein richtig guter Deal sind. Ist halt ein Risiko, wie das Stück dann ist, aber selbst wenn: Wer schimpft nicht gerne über die verkommene Theaterwelt? Damit hat man zumindest bei Familienfeiern Gesprächsstoff in petto, wenn die Alten sich darüber aufregen. Wer das nicht riskieren will, kann ja auch zur Sicherheit in die Josefstadt gehen, dort ist die Wahrscheinlichkeit klassisch-solides Theater zu sehen, noch am höchsten. Einschlafen darf man dabei halt nicht, sonst verpasst man, wie auch Klassiker inhaltlich auf das Heute angepasst werden.

Ähnlich ist die Geschichte mit dem Museum und den Konzerten

Solange es noch warm ist (die nächste Hitzewelle kommt bestimmt), sind Museen ein guter Ort, um der Hitze zu entkommen und ins schön Klimatisierte zu flüchten. Dafür kann man dann gemeinsam vor Bildern rätseln, was jetzt genau gemeint ist und ob sich im Abstrakten noch ein Hauch von Anlehnung an die Realität findet. Oder ob man barocke Malerei nicht auch als Vorbild für Body-Positivity sehen kann und was genau schiefgelaufen ist, dass Frauen nicht mehr üppig sein dürfen. Irgendeine witzige Unterhaltung über die patriarchale Unterwerfung der Frau über aufoktroyierte Körperbilder entwickelt sich dann schon. Schlimmstenfalls kann man ja in eine Schiele-Ausstellung gehen, bei dem sehen alle ein bisschen magersüchtig aus.

Und bei Konzerten ist es sowieso klar, dass die perfekt sind für Gruppenausflüge. Außerdem kann es nicht schaden, auch mal zu kleineren, unbekannten Bands zu gehen. Oft entsteht das über Freundeskreise, weil auf die eine oder andere Art hat jeder einen Freund in einer Band und in Wien ist die Konzertszene auf dieser ganz kleinen Ebene vielfältig wie sonst was. Egal ob im Chelsea, im Café Karina oder beim Wohnzimmerkonzert im Siebenstern. Es ist zwar ein bisschen umständlich, überall Track zu halten, wann wo was los ist, aber das gar nichts ist, ist ausgesprochen selten.

mehr kultur kleinDas Freibad lässt sich wunderbar mit Literatur verbinden, Foto: S. Braunisch

Und zu guter Letzt bleibt noch die traditionelle Beschäftigung alleine

Die Film- und Serienwelt ist vielfältig wie nie zuvor und quasi unbeschränkt zugänglich. Diverses Regisseure und Studios setzen sich auf neuen Ebenen mit Gesellschaftskritik und unseren kollektiven Neurosen und Schäden auseinander. Klar, spielen genug auch hinein und gaukeln seltsame Ideale vor, aber manchmal muss auch das als guilty pleasure erlaubt sein. Als Ausgleich kann man ja in der U-Bahn ganz intellektuell mit Tolstoi herumsitzen und so endlich die Wegzeiten sinnvoll nutzen. Oder jetzt noch im Freibad lesen. Weil dort vergeht die Zeit dann auch viel schöner und was gibt es besseres, als in der Sonne zu braten und gleichzeitig in fremden Leben herumzugondeln? Also: Mehr Kultur im Alltag. Diesmal wirklich als Vorsatz. Und falls doch ein bisschen Planung dafür willkommen ist: Wir bringen auch jetzt wieder Tipps, was sich da draußen so alles tut. Mit mehr Kultur.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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