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Zeit für einen Ausflug

burgenland01Das Dorfmuseum in Mönchhof, Quelle

An einem wunderschön warmen Sonntag im September verschlug es mich ins Burgenland. Um genauer zu sein in den Ort Mönchhof, etwa eine Viertelstunde mit dem Auto von Neusiedl am See entfernt. Dort erkundete ich gemeinsam mit meiner Großmutter das örtliche  DORFMUSEUM und wurde positiv überrascht.

Zufällige Entdeckung

Mein erster Gedanke bei der Erwähnung des Dorfmuseums war: Ok, das sind dann wahrscheinlich zwei Räume mit Fotos, irgendwelchen Tongefäßen aus der Steinzeit und der neueren politischen Geschichte des Dorfs und damit hat es sich dann. Begonnen haben wir schließlich mit unserer Erkundung unabsichtlicher Weise bei einer Außenstelle des Dorfmuseums: dem Bahnhofsmuseum. Die sogenannte frühere Neusiedler Seebahn führte ab 1897 bis 2014 von Neusiedl bis nach Mönchhof. Einerseits besteht dort die Möglichkeit, alte Waggons, Zugmaschinen und Reiseutensilien zu betrachten; sowie sich auf die äußerst harten Sitze zu setzen und dann zu entschließen, dass die heutigen Züge dann doch etwas mehr Komfort aufweisen. Andererseits setzt sich ein Teil der Ausstellung mit der Vertreibung der Ungardeutschen aus dieser Region im Jahr 1945 auseinander.

Falsche Annahme

Ein paar hundert Meter weiter befindet sich das "Haupt"-Dorfmuseum. Also spazierten wir dorthin und ich hatte abermals den Gedanken, dass wir in zwanzig Minuten wieder draußen sein werden, weil von der Straße aus betrachtet die Frontansicht wie ein ganz normales Haus aussieht. Ich, etwas übernächtigt vom Vortag, ging zielstrebig hinein, um Mönchhof jetzt dann mal abzuschließen. Als die Dame an der Kasse uns dann einen Lageplan in die Hände drückte, wurde ich das erste Mal stutzig. Wer braucht schon einen Lageplan für zwei Räume? Beim Beitreten des eigentlichen Museums verstand ich dann alles: Dorfmuseum wird in Mönchhof sehr wörtlich genommen. Es handelt sich nämlich um ein kleines, nachgebautes Dorf. Dort kann man in drei verschiedenen Themengebieten bestaunen, wie die Menschen ab etwa dem Jahr 1890 bis circa 1960 gelebt haben. Was beim Beitreten sofort auffällt, ist der Geruch: eine Mischung aus modrigem Holz und Putzutensilien.

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Das Dorfmuseum in Mönchhof, Quelle

Drei Abschnitte zum Entdecken

Im ersten Teil sieht man unter anderem klassische Gerätschaften, um Getreide anzubauen oder auch ein Puppenmuseum. In einem großen Raum findet man hunderte Fotos, die man vermutlich stundenlang betrachten könnte, ohne dass Langeweile aufkommen würde. In der Mitte des Hofs stehen zwei alte Holzwaggons. In diesen zeichnet man das frühere Leben der Roma und Sinti nach. Im zweiten Teil wiederum geht es um die verschiedene Möglichkeiten in der früheren Zeit Lebensmittel haltbar zu machen.

Der größte Teil ist der dritte. Dieser beginnt nach einem Teich, an dem vorbeigehen muss. Dahinter befindet sich schließlich das eigentliche nachgestellte Dorf. Wohnhäuser wechseln sich ab mit Handwerksstuben, zum Beispiel einem Bäcker oder einem Friseur (der etwa aus den fünfziger Jahren stammen müsste, nachdem meine Oma gesagt hat, dass sie sich an diese Utensilien noch erinnern kann.), aber man findet auch ein Kino. Im Saal habe ich mich gefragt, ob man ganz hinten in der letzten Reihe überhaupt noch den Film vorne an der Leinwand erkennen konnte oder ob es einfach vielmehr darum ging, sich mit seinen Freunden zu treffen und der Film vorne zur Nebensache wurde.

Eine eindeutige Empfehlung

Alles in allem ist das Dorfmuseum in Mönchhof eine Entdeckung wert. Es befinden sich nicht allzu viele Besucherinnen auf dem Areal. Dadurch ist es angenehm über den Grund zu schlendern und zwischendurch seinen Kopf hier oder dort hineinzustecken. Der Eintrittspreis (8€) ist vollkommen in Ordnung für das, was man geboten bekommt. Außerdem kann man ja wieder mal seine Großeltern zu einem kleinen Ausflug animieren und teilweise gemeinsam mit ihnen ihre Kindheit oder Jugend Revue passieren lassen. Und wenn man zwischendurch zu müde wird, dann kann man in einem Gasthaus, das natürlich auch aus einem anderen Jahrzehnt stammt, eine Erfrischung genießen oder eine Kleinigkeit essen, bis man dann weiterzieht und wirklich alles gesehen hat.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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