NOCH MEHR KULTUR

Der grüne Daumen gegen die Einsamkeit

Jetzt, wenn wir alle mehr oder weniger zu Hause eingesperrt sind, wird es mit der Gesellschaft langsam eng. Mitbewohner*innen oder Partner*innen, eventuell noch die Eltern bei denen man wohnt, aber die Welt wird kleiner. Was dagegen hilft, ist mehr Leben, am besten solches, das man selbst beeinflussen kann. Also Pflanzen.

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Der kleine Küchengarten der Autorin. Foto: S. Braunisch

Seit ich alleine wohne hat sich die Anzahl meiner Pflanzen geschätzt vervierfacht. Und es ist nicht nur, weil es nett aussieht, sondern sie sind eine Beschäftigung. Manchmal Arbeit, weil man sich aktiv daran erinnern muss, sie zu gießen. Aber gleichzeitig geben sie Freude. Wenn eine Pflanze nach einem Jahr unerwartet beginnt, Blüten zu treiben. Wenn eine andere beginnt, auszutreiben und es irgendwann Zeit wird, sie ins Wasser zu setzen, damit sie zu wurzeln beginnt.

Es ist ein bisschen wie eine Mischung aus Mitbewohner*innen und kleinen Geschwistern. Gut, da spricht vielleicht auch schon die wochenlange Einzelhaft. Aber es hilft. Man kann zwar nur bedingt zur Ablenkung Triebe heranzüchten, Blumen gießen, umtopfen und neu in der Wohnung verteilen, aber man kann zumindest ein bisschen Zeit damit totschlagen.

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Zuhause gärtnern. Wann, wenn nicht jetzt?

Seitdem klar ist, dass wir wohl noch ein bisschen länger daheim bleiben, ist besonders unter den Wiener*innen mit Social Media der Neid auf diejenigen mit Balkon oder Dachterasse größer geworden. Auch ich kann mich da ehrlich gesagt nicht ausnehmen. Wenn die Baumärkte bald wieder aufsperren, werden wohl viele Menschen beginnen, ihren grünen Daumen auszuleben. Es gibt Schlimmeres.

In der Zwischenzeit müssen die vorhandenen stillen Mitbewohner*innen herhalten. Es ist die Zeit, Setzlinge heranzuzüchten, so gut wie jetzt machen sich Zweige im Wasserglas nur selten. Gut ist es eben, jetzt schon Erde zu Hause zu haben, damit sie dann auch direkt gesetzt werden können. Und selbst wenn, bringt es im Moment zwar nicht endlos viel Zeit um, aber als Hobby bieten sich Pflanzen allemal an. Sie geben einem einen Grund, regelmäßig zu Hause vorbeizuschauen und sich um etwas zu kümmern. Und es zahlt sich aus, Studien zufolge beruhigen Pflanzen. Was wiederum im Moment dabei helfen kann, es daheim erträglicher zu finden.

So gesehen ist es wohl eine gute Zeit, um ein bisschen zu garteln. Und bestellen kann man ja auch, viele Blumenhandlungen und Gärtnereien liefern nach Hause. Es ist also auch jetzt nicht zu spät anzufangen, sich selbst einen grünen Daumen anzuzüchten.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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