NOCH MEHR KULTUR

Wo bleibt die Kultur?

Die Welt steht Kopf. Noch immer. Und irgendwie wird es leider nicht besser und noch immer fehlen Dinge. So wie Kultur. Im Homeoffice geht die nämlich verloren, die Tage gehen ineinander über und alle sind ident. Eventuell liest man zwischendurch ein bisschen, aber neben allem anderen geht sich das auch nicht so gut aus, wie es eigentlich geplant war. Von gestreamten Theaterstücken oder Konzerten ist erst gar keine Rede, schließlich warten am Abend Skype-Runden mit dem Freundeskreis. Und wenn das nicht der Fall ist, tut der Rücken vom ewigen Sitzen weh und die Aufmerksamkeit ist ohnehin weg. Kurzum: Die Isolation macht uns zu Wracks, die eingesperrt ohnehin nichts machen.

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Foto: Martin Abegglen auf flickr

Das klingt zwar alles ein bisschen extrem, aber vielleicht geht es mehreren Leuten in Einzelisolation so. Es wird also höchste Zeit, dass wieder ein bisschen Normalität beginnt und damit auch wieder sowas wie Kultur reinkommt. Genüsslich Lesen in der Sonne, lange Spaziergänge durch Museen und unterhaltsame Abende im Theater oder vertanzte Abende bei Konzerten. Das Problem an der jetzigen Normalität ist, dass sie nicht normal ist. Wir können zwar langsam wieder Sozialkontakte haben, aber die Zeit alleine daheim bedeutet immer die gleichen Wände, immer die gleichen Abläufe und langsam aber sicher fehlt die Kultur. Was also tun?

Wege aus der Krise

Zum einen braucht es wohl Selbstdisziplin. Weg von der Serie und was machen. Das einfachste Projekt um mitzumachen ist vom  WIEN MUSEUM. Dort werden in einem ersten Schritt Fotos von Objekten gesammelt, die die Corona-Krise für Menschen symbolisieren. Ausgewählte Objekte davon werden dann tatsächlich gesammelt und vom Museum aufbewahrt. Wer also ein besonderes Objekt als Begleiter in der Krise hat, sollte also die Geschichte davon aufschreiben und einreichen. Vielleicht endet es ja tatsächlich im Museum.

Auch relativ leicht ist es, das Programm zu wechseln. Statt zum fünften Mal "How I met you Mother" anzusehen, kann es einfach mal eine Dokumentation über einen Maler sein, eine Übertragung aus dem Theater oder zur leichteren Kost ein Comedy Special auf Netflix oder eines der Stücke aus dem  RABENHOF. Tatsächlich ist die Frage also eher, was genau Kultur für uns ausmacht und wie wir sie in unsere Wohnzimmer für den letzten Monat reinholen können.

Von Stephen King gibt es die schöne, treffende Aussage“If you think artists are useless, try spending you quarantine without music, books, poems, movies and paintings.“ Jetzt gerade ist wohl der Moment, in dem wir merken, auf wie vielen Ebenen es Kultur gibt und wie sehr wir sie vermissen. Also quasi als Beichte kann ich nur bezeugen, dass es eher schwierig ist. Filme, Serien und Musik sind eh schön und tägliche Begleiter*innen, aber der erste Versuch, diesen Artikel zu schreiben, hat in einem immensen Verlustgefühl geendet und führt dazu, dass ich für den restlichen Mai wohl eine Liste haben werde, um innerlich die Tage herunter zu zählen.

Irgendwo ist immer Kultur

Denn Kultur ist nicht nur tröstlich, wenn man tatsächlich im Theater sitzt, sondern schon alleine die Möglichkeit hilft. Die kleinen Galerien, an denen wir vorbeigehen und die Bilder in den Auslagen. Die Anzeigen für Aufführungen und die kleine Pause, die beispielsweise ein Ausflug ins Museum nach einem Arbeitstag ermöglicht. Weil es war zwar anstrengend und der Rücken tut weh, aber dann steht man mit der gefühlt zentnerschweren Handtasche für zehn Minuten vor einem Bild und versinkt in der Struktur der Pinselstriche. Weil es einfach doch sehr schön ist.

De facto endet es aber im Moment oft damit, dass man auf Twitter hängen bleibt und dann fünf Minuten lang ein Video ansieht, in dem das Frauenbild aus Kunst der vergangenen 500 Jahre gesammelt ist und sich die Gesichter einfach immer weiter verändern. Oder wir suchen Instagram-Feeds, in denen Murals gesammelt werden oder Museen virtuelle Führungen machen. Weil es hilft ja doch nichts. Im Endeffekt müssen wir aber wohl versuchen, die Kultur zu erhalten. Nicht nur aus Solidarität (Weil: do that!), sondern weil wir sie brauchen.

Denn Kultur ist nicht nur ein Gut, dass wir genießen, sondern auch eine eigene Form der Kritik, wie Gesellschaft rezipiert wird. Und das ist jetzt gerade vielleicht schwierig, aber wir werden viel daraus gewinnen. Nicht nur im Wien Museum, sondern auch, weil wir gerade viele sehr ungewohnte Änderungen durchmachen. Und die werden unsere Gesellschaft verändern und wie wir sie wahrnehmen, wird sich auch in der kulturellen Rezeption zeigen. Also können wir nur hoffen, dass in ein paar Wochen, mit den ersten Öffnungen, alles besser wird und andere Kunstsparten lange genug überleben werden.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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