NOCH MEHR KULTUR

Insta als neues Kulturprogramm

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Hannah & Marie-Louise von "Wie Wien wohnt"

"Wie Wien wohnt" ist eine der Instaaccounts, die einfach nur die Realität abbilden und dabei dennoch künstlerisch rüberkommen. Dahinter stecken Hannah und Marie-Louise, beide in ihren Zwanzigern und beide begeistert von ihrem Projekt. Das ETC.-Magazin hat mit ihnen über ihren Account gesprochen.

Entstanden ist die Idee schon vor drei Jahren, Marie-Louise hat sich nach einiger Zeit dann dazu überreden lassen, ihre Idee auch in die Praxis umzusetzen. Vor rund einem Jahr hat sie mit dem Account begonnen, bald hat Hannah auch mitgemacht, seitdem läuft das Projekt. Das Konzept ist einfach: Ein Bild einer Wohnung, darauf die Person, die darin wohnt und das war es auch schon wieder.

Das Ziel ist es, uns das Gefühl zu geben, dass hinter den Hausfassaden Wiens auch echte Menschen wohnen. Die Anonymität der Stadt soll so ein bisschen gebrochen werden: "Es darum aufzuzeigen, wie Menschen leben. Wir wollen damit nur zeigen, dass auch in den absurdesten Häusern einfach nur Leute drinnen wohnen und wie das so aus sieht. Die Interpretation, wie eine Wohnung aussieht oder was das über die einzelnen Menschen sagt, wollen wir gar nicht dazuliefern."

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Ben, 1050. Foto: Wie Wien wohnt

Aus genau diesem Grund gibt es zu den einzelnen Bildern auch keine genauen Beschreibungen. Nur die Nummer des Bezirks und den Vornamen der Person. Das Konzept funktioniert damit aber offenbar. Mittlerweile ist nur mehr die Hälfte der bisher veröffentlichten Bilder von Menschen aus ihrem Bekanntenkreis. Besonders die Coronakrise hat den Zuspruch erhöht, währenddessen gab es vielleicht einfach mehr Bedürfniss, auch mal wieder andere Wohnungen zu sehen. Oder eben die eigene herzuzeigen. Hannah und Marie-Louise zufolge nahm in dieser Zahl auch die Einmeldungen zu, besonders von Personen, die alleine wohnen.

Türöffner und Hausbesuche

Mittlerweile gehen die beiden wieder selbst in einige Wohnungen und machen die Fotos. Grundsätzlich dauert das zwar nur einige Minuten, meist entwickelt sich bei einem Kaffee aber trotzdem ein Gespräch über Lieblingsmöbel oder wie man die Wohnung bekommen hat. Für Hannah ist das Spannende an dem Projekt also auch, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt: "Mir ist letztens aufgefallen, dass es theoretisch sehr seltsam ist, einfach so ohne Vorwissen dauernd in fremde Wohnungen hineinzugehen. Aber ich denke mir trotzdem bei jeder Wohnung wieder, wie einzigartig sie aussieht und es ist einfach so spannend, regelmäßig neue Menschen kennenzulernen."

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Fabienne, 1030. Foto: Wie Wien wohnt

Das Konzept, einfach nur Einblicke in Wohnräume herzuzeigen, funktioniert offenbar auch gut. Über 2.000 Abonnent*innen folgen der Seite, mittlerweile haben die beiden auch Angebote, die Seite für andere österreichische Städte anzupassen. Noch wissen sie aber nicht, wie die Zukunft der Seite aussehen soll. Aktuell geht es eher darum, einfach Wohnungseinblicke zu veröffentlichen und die Anonymität der Stadt so zu reduzieren. Die Frage nach der Motivation ist dabei simpel, Hannah und Marie-Louise verweisen dabei auf den Wunsch, mehr mit ihrer Zeit anzufangen. Sie betreiben "Wie Wien wohnt" zwar neben Studium und Arbeit, sehen aber darin doch einen tieferen Sinn, auf eine bestimmte Art Menschen zueinander zu bringen. Eine Altersfrage, wie sich im Gespräch zeigt. Mit Mitte Zwanzig gibt sich heutzutage kaum noch jemand mit einem Job zufrieden, der nur die Miete zahlt. Und wenn das tatsächlich ein paar mehr Lebenseinblicke bringt und dafür sorgt, dass nicht mehr jedes Haus im Vorbeigehen vollkommen austauschbar wirkt, sondern man sich die Leben hinter den Wänden vorstellen kann, dann hat das ja doch auch einiges bewirkt.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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