NOCH MEHR KULTUR

Boden geht uns alle an

Boden für Alle – für wen auch sonst. Was logisch klingt, ist tatsächlich ein realitätsfernes Konzept in Österreich. Die Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel erklärt im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier aktuell die Problematiken hinter dem Bodenverbrauch und erleuchtet geneigte Besucher*innen zu dem Thema.

Boden geht uns alle an. Wer denkt, dass die Natur aber einfach jedem zur Verfügung stehen sollte, hat zwar ideologisch einen guten Punkt, tatsächlich sind die Fakten aber sehr weit weg davon. Denn Boden ist beliebtes Eigentum, eine beliebte Wertanlage und in Österreich natürlich der Schlüssel zum obligatorischen Traum vom Eigenheim.

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Stand der Zersiedelung im Rheintal, Luftbild von Dornbirn aus dem Jahr 2017.
© Vorarlberger Nachrichten / Philipp Steurer

Das Architekturzentrum Wien hat sich deshalb des Themas angenommen und zeigt in "Boden für Alle" die Probleme auf. Die Ausstellung beginnt mit einem ausführlichen Datenüberblick und dem obligatorischen historischen Abriss. Geschichte wirkt bei Boden zwar etwas redundant, weil der Boden ja immer da war, aber wie damit umgegangen wird, war doch immer sehr unterschiedlich. Schlussendlich ist Boden ja eine begrenzte Ressource und ein bisschen Natur ist ja auch nicht schlecht.

Warum das Ganze ein Problem ist, liegt aber an der Politik und den verschiedenen Zuständigkeiten und die werden schön erklärt. Als Ausstellung ist es damit zwar ein bisschen schwierig, so viele Inhalte unterzubringen, deshalb gibt es schon viele Texte. Wichtig ist aber auch, dass diese gut aufbereitet und hübsch verteilt sind und das ist jedenfalls passiert. Nach der langweiligen Politik sozusagen wechselt der Schwerpunkt auf leichter greifbare Beispiele, wie die Auswirkungen von Bodenverbrauch auf Immobilien und Mietspreise.

Nicht um zu politisch zu werden, gibt es trotzdem auch biologische Informationen. Was man gerne vergisst, ist ja, dass Boden nicht einfach ein Gut ist, sondern in sich ein komplexes biologisches System mit verschiedenen Schichten und Funktionen. Immerhin ist ein karstiges Stück Berg genauso Boden, wie der Maisacker in Niederösterreich. Was er bringt und wie er genutzt werden kann, ist aber sehr unterschiedlich. Übrig bleibt für die Nutzung das eher flache Land, das oftmals die Grundlage für das klassische Einfamilienhaus ist. Davon gibt es aber mehr als genug und was immer wieder vergessen wird: jedes Haus im Grünen braucht eine Straße hin und frisst damit noch weitaus mehr Boden als nur das Haus.

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Verbaute Erde - Parkflächen statt Ackerland
© ÖHV

Obwohl viele Probleme und damit eher deprimierende Zusammenhänge erklärt werden, braucht aber jede Ausstellung auch ein positives Ende. Und das gibt es im Architekturzentrum zuerst mit Lösungsansätzen, die zwar viel Lesestoff sind, aber doch zum Träumen von besseren Regeln anregen. Und noch besser sind die Vorzeigeprojekte, die zeigen, wie weniger Boden verbraucht werden kann, wie Stadtzentren wiederbelebt werden können und was Architektur damit zu tun hat.

"Boden für Alle" ist zwar eine Ausstellung, mit Kunst hat sie aber wenig zu tun. Wichtiger ist der Aspekt der Kultur und in dem Fall geht es um die gemeinsame Gesellschaftskultur. Die sich alleine wegen des Klimawandels und der Nachhaltigkeitsfrage dringend ändern muss. Das geht aber nur, wenn Menschen sich des Problems bewusst sind. Und die Möglichkeit gibt es im Kulturzentrum. Wer es nicht mehr gewohnt ist, wo hinzugehen, kann dafür ja auch einfach an den Dialogführungen per Zoom teilnehmen, da gibt es abseits des Überblicks auch noch immer Gesprächspartner*innen, die ihr Wissen zu Verfügung stellen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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