NOCH MEHR KULTUR

Im Technischen Museum

Das Technische Museum Wien im 3. Bezirk ist eine bezaubernde Wunderkammer in Sachen Technikgeschichte und Zukunftsausblicke, denn in dem gigantischen Museumsbau, der selbst wie eine ehemalige Industriehalle wirkt, kann man sich nicht nur räumlich, sondern auch thematisch für Stunden verlieren. Ich hatte schon immer eine Schwäche für dieses Haus und das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern.

Die Cremigkeit von Retrotechnik

Alles ist cremefarben, Pastell-Plastik. Vom Toaster zum Staubsauger bis hin zur Küchenwaage und dem Radio ist die Technik der 70er und 80er stylisch eindeutig zuzuordnen. Das ein oder andere dieser Museumsstücke erkennt man bestimmt aus der Küche der Großeltern oder von anderen älterer Verwandten. Überall Designs, die man heutzutage wiederseht, alles kommt wieder, aber erscheint auch immer zum ersten Mal. Mark Fisher würde sich heimgesucht fühlen, doch ich finde die Abteilung für Haushaltsgeräte entspannend. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich Design verändert hat und das einem so manches, wir landen hier wieder bei Hauntology, fortschrittlicher wirkt, als es tatsächlich ist – Retrofuturismus heißt das Zauberwort.

technischesmuseum klein
Retrofuturismus im Technischen Museum Wien, Foto: C. Gajsek

Hochöfen und Rauch

Ebenfalls faszinierend finde ich die Lehrfilme, die man sich in einem kleinen Raum neben den stillgelegten Hochöfen ansehen kann. Einerseits voll grauer Realität, ein körniges Zeugnis ernüchternder Arbeitswelt und doch auch voller, man möchte fast meinen naiver, optimistischer und scheinbar Ironie-immuner Begeisterung des letzten Jahrhunderts. Dies spielt auch in das zweite große Thema des Technischen Museums: die Geschichte von menschlicher Arbeit in Beziehung zu technischer Entwicklung und Umweltschutz. Karl Marx schrieb einst von der Entfremdung der Menschen von ihrer Arbeit, die kein sinnvoller Beitrag zur Gesellschaft mehr ist, sondern einzig und allein Kapital für die Bourgeoisie schaffen soll. Und obwohl hier die Thematik doch weniger radikal bearbeitet wird, sind Spuren dieser Idee doch eindeutig vorhanden. Das Thema Arbeit Mensch und Maschine wird uns, voraussichtlich, noch eine ganze Weile beschäftigen, weshalb dieser Teil des Museums ebenfalls empfehlenswert ist.

Melancholie der Leere

Es ist gleichzeitig Segen und Fluch, dass die Hallen des Museum, trotz schmaler Alternativen bei Freizeitangeboten, im Moment recht leer wirken. Man hat zwar alles für sich allein und kann alles in Ruhe betrachten, aber andererseits muss einem auch klar sein, dass die mageren Einnahmen nicht nur für das Technische Museum ein Problem darstellen. Ich erinnere nur an den letztjährigen Artikel über meinen Besuch im Schloss Schönbrunn. Man kann daher nur froh sein, dass die Museen derzeit überhaupt offen haben, sonst sähe es noch düsterer aus.

Der Museumsshop ist ebenfalls immer einen Besuch wert, nicht nur auf Grund der tollen Publikation zu den oben genannten Themen, sondern auch allerhand nette Kleinigkeiten für Science Fiction Fans findet man hier. Ich bin immer noch fasziniert von meinem Aufziehroboter aus dem Filmklassiker "Forbidden Planet" aus dem Jahr 1956, der Funken spuckt. Ganz frei nach Banksy: "Exit through the gift shop".

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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