NOCH MEHR KULTUR

Künstliche Intelligenz hat diesen Artikel geschrieben

Der Abgabetermin für diesen Beitrag rückte immer näher, mir fehlte jede Inspiration, und deshalb blieb mir eigentlich nichts anderes übrig, als diesen Artikel von künstlich intelligenten Maschinen generieren lassen. Dank Text Mining, Maschine Learning & Co erwartet dich hier nun – statt leeren Seiten – "Kunst", kreiert von überraschend klugen Algorithmen. Freu dich auf eine romantische Kurzgeschichte über den stabilen Kaffeetrinker Ludwig und den zärtlichen Basti, erschreckend zeitgemäße Lyrik mit dem Titel "Wo wir nicht grüßen dürfen", und Illustrationen, in denen die Wiener Skyline auf Katzenliebe trifft.

"Kreiere deinen ersten eigenen Artikel mit unserem Artikel-Schreib-Bot", schreit mir eine Website in Großbuchstaben entgegen. Aber um dieses Angebot in Anspruch zu nehmen fehlt mir, im Gegensatz zu zahlreichen Unternehmen und Marketingagenturen, das nötige Kleingeld. Wie soll ich also innerhalb weniger Stunden diesen Beitrag schreiben? Noch dazu, wo sich meine Kreativität im Lockdown-bedingten Dämmerzustand befindet?

Zum Glück ist das Internet voll mit unentgeltlichen, User-freundlichen AI-Tools, zum Beispiel von Google oder boredhumans.com. Viele dieser Werkzeuge nutzen Maschinelles Lernen, das auf einem einfachen Prinzip beruht: ein Algorithmus wird mit einer großen Menge an Daten gefüttert (tausende Texte, Bilder, Melodien, etc.), und erkennt darin Muster. Hat der Algorithmus genug gelernt, dann kann er die gelernten Gesetzmäßigkeiten verwenden, um neue Daten zu verstehen, zu beurteilen, oder zu imitieren.

Klingt vielversprechend, der Beitrag sollte sich ja wortwörtlich von selbst schreiben. Also, wo fange ich am besten an?

Erstmal Twitter checken

Selbst die intelligenteste künstliche Intelligenz braucht Input. Zum Glück teilen User*innen auf Twitter regelmäßig ihre Gedanken, Tipps und Schnappschüsse unter #wienliebe, thematisch also perfekt für das ETC. Magazin. Ich bin zu faul, um mich durch unzählige Tweets zu scrollen, und deshalb sammle ich mithilfe von einigen Zeilen Code ein paar hundert kürzlich gepostete Tweets und packe mit dem R-Package {wordcloud} die darin häufigsten Wörter in eine Wortwolke:

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#wienliebe Wortwolke © M. Schwarz

Natürlich würde ich gern selbst am Twitter-Gespräch zum Thema #wienliebe teilnehmen und ein paar originelle Tweets absetzen. Ich füttere die frequentesten Wörter aus der Wortwolke in einen einfachen Wort-Shuffler, und schon produziert dieses simple, nicht-intelligente Tool ein paar geistreiche Tweet-Unikate:

Schön wienerisch! #wienliebe

Oh, jemand Frühling? #wienliebe

Impftermin buchen, danke! #wienliebe

Wiener, Wien gibt! #wienliebe

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Viennese, Vienna gives! © M. Schwarz mit Generative Engine

Roboter, erzähl mir eine Liebesgeschichte!

Inhaltlich sind meine Tweets eher mager. Ich würde gern ein komplexeres literarisches Werk verfassen, wie zum Beispiel eine romantische Kurzgeschichte. Das geht ganz einfach dank dem Plot Generator. Ich gebe ein paar Wörter aus der Wortwolke ein, und voilà, der Plot Generator bastelt einen will-they-won't-they-Epos über den schüchternen Ludwig und den schönen Basti*, unter dem Titel "Grantiges Wien".

*Die Handlung und alle handelnden Personen sind von einer Maschine frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen ist rein zufällig.

 

Grantiges Wien

Ludwig sah auf das leiwande Foto in seinen Händen und fühlte sich Wienerisch.

Er ging hinüber zum Fenster und dachte über seine wienerische Umgebung nach. Er hatte das grantige Wien immer geliebt, mit seinem vorsichtigen, klaren Corona. Es war ein Ort, der seine Tendenz, sich wienerisch zu fühlen, ermutigte.

Dann sah er etwas in der Ferne, oder eher, jemanden. Es war die Gestalt von Basti. Basti war ein prächtiger Graf mit gutem Gesicht und schönem Fuß.

Ludwig schluckte. Er betrachtete seine eigene Reflektion. Er war einfach, stabil, ein Kaffeetrinker mit wienerischem Gesicht und rundem Fuß. Seine Freund*innen sahen ihn als einen schweigsamen, gesunden Himmel. Einmal hatte er sogar einem verschmusten Frühling geholfen, die Straße zu überqueren.

Aber nicht einmal eine einfache Person, die einmal einem verschmusten Frühling geholfen hatte, die Straße zu überqueren, war auf das vorbereitet, was Basti für heute geplant hatte.

Der Himmel lockte wie lebende Hunde, und es machte Ludwig klein.

Als Ludwig nach draußen trat und Basti näherkommen sah, erkannte er den unansehnlichen Grinser auf seinem Gesicht.

Basti sah ihn mit der Zärtlichkeit von 8254 wienerischen, morbiden Tauben an. Er sagte, in gedämpftem Ton: "Ich liebe dich und ich will Liebe."

Ludwig sah zurück, noch nervöser als zuvor, immer noch das leiwande Foto betätschelnd. "Basti, Wien gibt", antwortete er.

Sie sahen sich mit stabilen Gefühlen an, wie zwei sonnengebräunte, müde Fiaker-Pferde bei einem sehr grantigen Impftermin, bei dem Wienerische Musik im Hintergrund spielte und zwei natürliche Wiener*innen im Takt der Musik schimpften.

Ludwig sah Bastis gutes Gesicht und schönen Fuß. "Ich fühle dasselbe wie du!" offenbarte er mit einem entzückten Grinsen.

Basti sah schön aus, seine Emotionen erröteten wie eine frittierte FFP2-Maske.

Dann trat Basti ein, für einen kommoden Kaffee.

Ende.

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At the End of the Tunnel © M. Schwarz mit Generative Engine

Zeit für Lyrik

Die wohl passendste Kunstform, um die derzeitige Situation einzufangen, ist wohl die Dichtkunst. Zum Glück stellt Google das Tool Verse by Verse zur Verfügung, und erneut ist der von mir geforderte Input minimal: ich wähle aus einer Reihe englischsprachiger Lyriker*innen meine drei Favorit*innen (ich entscheide mich für Robert Frost, Frances Ellen Watkins Harper, und Sara Teasdale). Dann suche ich die passende Gedichtform aus (Zweizeiler), und die Silbenanzahl pro Zeile (sechs). Jetzt fehlt nur noch der Einleitungssatz, der unsere fleißigen AI-Heinzelmännchen auf den richtigen Pfad schicken soll. Eine Formulierung aus "Grantiges Wien" passt hier ganz gut, und ein paar Klicks später, ist mein Gedicht "geschrieben":

Wo wir nicht grüßen dürfen

Ein Kaffeetrinker mit einem Wiener Gesicht.
Schwer wie Nebel im Mai.
Der heitere April ist unser Freund,
Wir sehnen uns danach, fortzugehen.
Abermals bleiben wir hier.
Wo wir nicht grüßen dürfen.
Wir schließen unsere bedrückten Gesichter,
Treu und freundlich und klar,
Vertrauend auf das helle Licht.
Am Ende des Tunnels.
Wir sahen den alten Mann rufen:
Wiener*innen, Wien gibt.

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We're longing to depart © M. Schwarz mit Generative Engine

… und die Fotos?

Was diesem Artikel noch fehlt sind Bilder. Um passende Copyright-freie Illustrationen aus dem Web zu suchen, bin ich erwartungsgemäß zu faul, und deshalb überlasse ich diesen Part lieber der Künstlichen Intelligenz. Der Generative Engine braucht von mir nicht mehr als ein paar Wörter Input, und schon kreiert er die etwas düsteren abstrakten Gemälde, die diesen Text verzieren.

Für Katzenliebhaber*innen gibt es außerdem das großartige edgestocats, das aus meiner minimalistischen, handgezeichneten Wiener Skyline ein fellig-felines Kunstwerk zaubert:

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Wiener Skyline meets Katze © edgestocats

Abgesehen von der Recherche- und Übersetzungsarbeit, habe ich in wenigen Minuten vier Tweets, eine Kurzgeschichte und ein Gedicht geschrieben, und außerdem vier abstrakte Bilder geschaffen.

Mein Fazit

  1. Computer können nicht alles, aber überraschend viel.
  2. Cats rule the internet.
  3. Impftermin buchen, danke! #wienliebe

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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