MUSIK

Nur Musik wäre zu seriös

Seit drei Jahren sind  PIZZERA UND JAUS aus der österreichischen Musikszene nicht mehr weg zu denken. Auch das neue Album "wer nicht fühlen will, muss hören" ist sofort in den Charts gelandet. Ein Gespräch über die Emotionen in Musik, den künstlerischen Prozess und ihre Weltansichten.

pizzeraundjaus01 kleinCD-Cover zu "Wer nicht hören will, muss fühlen" © Ulrike Rauch

Eure Songs wechseln abwechselnd zwischen romantischen Liebesliedern und den Schmerzen eines Beziehungsendes. Jetzt habt ihr aber beide soweit man weiß stabile Beziehungen (Anm. Otto Jaus ist seit wenigen Wochen verheiratet). Wie schafft ihr den regelmäßigen Wechsel zwischen diesen emotionalen Gegenteilen?

Pizzera: Damit man wirklich lieben kann, muss man sich in Andere hineinfühlen können. Wenn man so ein halbwegs empathischer Mensch ist, kann man, auch dann, wenn es einem gut geht, sich darin hineinversetzen und auch der Schmerz von früheren Erlebnissen ist dann wieder präsent. Damit kann man also immer wechseln.

Also Empathie als Geheimnis. Wie wichtig ist Empathie insgesamt?

Beide: Empathie ist sehr wichtig.

Pizzera: Empathie für das Publikum gehört auch immer dazu, dann können wir uns ein bisschen anpassen. Das ist eben der Vorteil am Kabarett, dass wir so mehr Möglichkeiten zur Spontanität haben und auch direkt auf das Publikum eingehen können. Unsere Auftritte sind damit mehr ein künstlerischer Prozess, den wir auch anpassen können.

Wenn es darum geht, was das Publikum will: Kabarett ist besonders in Österreich meistens politisch. Ihr haltet euch da komplett raus. Habt ihr schon mal überlegt, politisches Kabarett zu machen oder reizt euch das überhaupt nicht?

Pizzera: Nein, wir sehen politisches Kabarett nicht als unsere Aufgabe.

Jaus: Das übersteigt unsere Seriosität.

Pizzera: Unsere Position, also das was wir machen, war offen. Das ist das was wir machen wollen und der Markt für politisches Kabarett ist sowieso übersättigt.

 

"ES GEHT NICHT OHNE OPTIMISMUS"

Dann schauen wir vielleicht lieber die Inhalte an. Eure Lieder sind immer sehr optimistisch, da gibt es höchstens einmal einen Anflug von Melancholie. Woher nehmt ihr den Optimismus?

Jaus: ich glaube, es geht einfach nicht ohne Optimismus. Man muss sich auch darüber freuen können, wenn etwas schlecht ist. Nur so sieht man das Tief und erst dann kann es besser werden. So gesehen muss man das Hoch und Tief schätzen und dadurch entsteht automatisch ein gewisser Optimismus, der es einem erlaubt, immer auch die positiven Dinge zu sehen.

Ein Aspekt dieses Optimismus ist eure Einstellung, dass jeder alles schaffen kann. Für euch hat das funktioniert, aber was soll der einzelne Hörer aus diesen Texten mitnehmen? Wir können ja schlecht alle Stars werden.

Pizzera: Es geht darum, dass man seine Ziele erreichen kann, nicht nur um die Karriere. Da soll sich jeder selbst aussuchen, worum es geht. Und wenn das jetzt zum Beispiel für eine Friseurin ist, dass sie einen Marathon schafft, dann ist das perfekt.

Jaus: Man muss halt sehr, sehr hart arbeiten. Egal, ob es um das Private oder Berufliches geht – es soll nur heißen, dass man das erreichen kann, was man erreichen will. Wir können ja niemandem sagen, was er erreichen will und das ist auch nicht unsere Aufgabe.

Jaus: Wir haben immer gesagt, Kabarett alleine wäre uns zu locker und Musik alleine wäre uns zu seriös.

pizzeraundjaus02 kleinPizzera und Jaus on stage © Ulrike Rauch

 

"WIR SCHULDEN DEM PUBLIKUM DIE BESTE SHOW"

Wie genau ist Musik zu seriös?

Pizzera: Man merkt bei vielen Bands, dass sie ihre Lieder haben und dann spielen sie die runter. Wenn es jetzt aber zum Beispiel Instrumente gewechselt werden, dann entstehen immer so peinliche Pausen, in denen keiner weiß, was er sagen soll. Und wir nutzen diese Pausen halt stattdessen für Kabarett.

Bleiben wir vielleicht bei dem Punkt, dass nicht jeder alles kann: Wie wichtig sind Feedback und Selbstkritik für euch?

Jaus: Selbstkritik ist ein wichtiger Aspekt, das ist auch ein Lernprozess für uns und ohne den geht es gar nicht. Die gemeinsamen Feedbackrunden sind deshalb etwas, dass sich immer ausgehen muss.

Pizzera: Auch weil es Leute gibt, die seit einem Jahr mit den Karten für unsere Auftritte daheim sitzen. Die haben einfach die beste Show verdient, die wir abliefern können.

Viele Sänger haben Songwriter, auch viele Kabarettisten arbeiten mit Autoren zusammen. Macht ihr das auch so?

Jaus: Nein, wir schreiben alles selbst. Also bei den meisten Liedern ist es so, dass ich zwischendurch eine zweiminütige Whatsapp vom Paul bekomme und dann haben wir fast schon ein Lied.

Pizzera: Ja, also mit anderen geht das so nicht wirklich. Wir schreiben alles selbst, sonst wäre es ja auch nicht wirklich authentisch.

Wenn wir schon bei Authentizität sind: Wie wichtig ist das für euch?

Pizzera: Naja, live haben wir schon viel mehr Varianz drinnen. Es klingt also schon alles ein bisschen anders als im Radio.

Jaus: Und durch das Kabarett ist alles auch ein bisschen abwechslungsreicher, da ist man automatisch authentisch. Weil wir dann halt einfach so sind.

Dann vielleicht noch kurz zum Abschluss: ihr seid jetzt seit drei Jahren sehr erfolgreich. Was war die wichtigste Lehre für euch aus dieser Zeit?

Pizzera: Ich glaube, das wichtigste war, wenn du vorher nicht glücklich warst, wirst du mit Erfolg auch nicht glücklich.

Jaus: Ja, weil die Schwächen und Probleme, die du vorher hast, hast du nachher auch.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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