MUSIK

Hart und zart. Ein Interview mit SALÒ

 Christopher Gajsek hat SALÒ, der eigentlich Andreas Binder heißt, Löcher in den Bauch gefragt. Der Musiker hat seine Single "Tränen zu Wein" bei unserem Aufruf "ETC. sucht ETC." eingereicht, da haben wir freilich nicht Nein zu einem Frage-Antwort-Spiel sagen können. Im Folgenden geht es um Liebe, Fleisch, Triebe und Lieblingssongs.

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Cover der Single "Tränen zu Wein", Foto: Mario Hainzl

Falls dich irgendein kunstferner Mensch noch nicht kennen sollte: Wie würdest du deine Musik zusammenfassen?

 Musik für Hundeliebhaber:innen und Arbeitsverweigerer. Deutsche Texte mit persönlicher, aber auch allgemeiner Bedeutung, die die Menschen ansprechen soll. Texte, die viel mit Lieben und zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun haben, Liebe wird aber wohl nicht mehr so direkt vorkommen in Zukunft - nach "Tränen zu Wein". Wobei Liebe wohl in jeder Lebenslage, in jedem Genre und so weiter, eine feste Position hat. Liebe als mitschwingendes Thema, metaphorisch, wird mich wohl immer begleiten, nur vielleicht nicht mehr so direkt.

Was ist dein persönliches Fazit nach deinem Release von "Tränen zu Wein"?

Sehr zufrieden im Allgemeinen, nur ein Lied gefällt mir persönlich nicht live zu spielen, es hat in der Demo meiner Meinung nach besser geklungen. Live klingt halt alles anders, mit Band und so weiter. Es gefällt den Leuten, aber mir selbst nicht. (Welches Lied, das wird nicht verraten, es soll unseren Leser:innen ja nicht alles zu leicht gemacht werden)

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"Auf der Straße", Foto: Mario Hainzl

Was ist ein Thema, das du unbedingt mal musikalisch bearbeiten willst, aber dich noch nicht getraut hast?

Das Thema wäre eindeutig Wahnsinn. Die Grenzen der eigenen geistigen Gesundheit und Ego-Tod, was das für einen bedeutet, wenn man psychisch zu weit geht. Erst durch den Geist nehmen wir die Welt wahr und das Ego ist quasi der Steuermann. Was bedeutet es wahnsinnig zu sein, beziehungsweise nicht sicher zu sein, geistig gesund zu sein?

Was ist dein Lieblingssong von dir selbst und von anderen Künstler:innen?

Von mir selbst ist es definitiv "Blaue Flecken". Die meisten mögen allerdings "Ektoplasma" mehr. Die Frage nach meinem Lieblingssong anderer Künstler:innen fällt mir schwer zu beantworten. Am meisten flasht mich grad "Cool bleiben" von International Music. Der Aufbau und der Sound, der Text, einfach alles ist komplett anders als andere Songs. Die Band ist allgemein cool, "Farbiges Licht" ist auch ein richtig geiler Song von ihnen. Ein all time Lieblingslied ist "Eyes without a Face" von Billy Idol und all time favourite Band ist wohl Element of Crime.

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"Held der Nahversorgung", Foto: Mario Hainzl

Was ist die Verbindung deiner Musik zum Film "Salò – Die 120 Tage von Sodom"?

Vor der Frage hatte ich eigentlich, nicht Angst direkt, aber halt die Befürchtung, dass sie kommt, weil es eine unschöne Diskussion gab, in der mir jemand unterstellen wollte, faschismusverherrlichend zu sein auf Grund des Namens, da hab ich mir gedacht, ich antworte in dem Fall nur noch mit "Ich mochte den Namen halt", aber das ist hier nicht der Fall. "Salò", der Film, war schließlich eine Kritik am Bürgertum. Er hat mich selbst damals traumatisiert und im Endeffekt hat mir der Name einfach gefallen. Die Liebe als quasi faschistoide Kontrollinstanz ganz nach Lacan oder Zizek hat mich lange aus psychologischer Sicht interessiert. Dass wir unsere eigenen Antriebe nicht wirklich kennen, mich interessiert was mich zum Begehren bringt, zum Handeln und wie Liebe eine Machtposition in dieser Konstellation einnimmt.

Zukunftsaussicht auf weiter Musikprojekte?

Es wird viel um Technologie gehen, was ja auf der Hand liegt, da die Technologie das moderne Leben durchzieht wie Fett das Fleisch. Womit wir wieder schön beim Thema Trieb und Fleisch wären.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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