MUSIK

RIP MF DOOM

Es ist immer schwierig, ein ganzes Leben in Worte zusammenzufassen. Vor allem, wenn man die Person nicht persönlich kannte. Da wirkt alles, was man zu sagen hat, irgendwie künstlich oder seicht. Dennoch kann man als Kulturinteressierter nicht umhin, über einen ganz besonderen Künstler zu sprechen, der letztes Jahr leider verstarb, wobei sein Tod erst in den letzten Stunden von 2020 bekannt wurde. Rest in Peace, MF DOOM.

mfdoom klein

MF DOOM © "Stones Throw", Foto: Eric Coleman, Editing: Jeff Jank

ALL CAPS

Berichten zufolge verstarb einer der wichtigsten Vertreter des Rap Genres am 31. Oktober 2020. Doch wer war MF DOOM a.k.a. Metal Fingers, a.k.a. Metal Face, den anscheinend jeder deiner Lieblingskünstler wie Drake und Co. kannten, du aber nicht? Wer am letzten Tag diesen Jahres auf den Sozialen Medien unterwegs war, konnte nicht umhin, von seinem Tod zu erfahren, wobei für viele dies das erste Mal war, dass sie von ihm hörten. Geboren wurde MF DOOM am 9. Januar 1971 in London als Daniel Dumile, doch kurz nach seiner Geburt wanderte seine Familie in die U.S.A. aus, sodass für ihn seine Heimat New York wurde. Warum ich ihn immer nur mit Großbuchstaben schreibe?

"It's a damn shame
Just remember ALL CAPS when you spell the man name"
- MF DOOM, ALL CAPS

Die zwei (musikalischen) Leben des MF DOOM

Es gibt One-Hit-Wonder, es gibt Langzeitstars und es gibt Künstler*innen mit einem Fixplatz im Untergrund. MF DOOM jedoch balancierte nicht nur zwischen letzteren beiden Kategorien hin und her, sondern hatte nicht nur eine Karriere als Rapper. Bevor er nämlich zum maskierten Bösewicht wurde, gab es KMD (Kausing Much Damage oder A positive Kause in a Much Damaged Society). Die Gruppe bestand aus ihm, damals noch als Zev Love X bekannt, dem Rapper Onyx the birthstone Kid und DJ Subroc, Daniels jüngerem Bruder Dingilizwe Dumile. Ende der 80er Jahre gegründet, brachte die Gruppe 1991 ihr Debutalbum heraus, doch fand ihr jähes Ende durch den Tod von Dingilizwe 1993. MF DOOM widmete ihm viele Zeilen (und den Song "Kon Karne"), doch wohl die markantesten sind diese:

"On Doomsday
Ever since the womb 'til I'm back where my brother went
That's what my tomb will say
Right above my government, Dumile
Either unmarked or engraved, hey, who's to say?"
– MF DOOM, DOOMsday

Jahre verschwand Dumile von der Bildfläche, bis er 1997 schließlich als MF DOOM wiederauftauchte, das Alter Ego, mit dem er Hiphop-Geschichte schreiben sollte.

Von DOOMsday zu Madvillain

Doch was macht den Mythos um MF DOOM aus? Man erkennt es an denjenigen, die seinen Tod betrauert haben. Aktivist*innen und Horrorfans, Comicnerds und Philosophietheoretiker*innen, sowie Filmfans und -schaffende, Musiker*innen, Maler*innen und Sportler*innen, sie alle hatten eins gemeinsam: MF DOOM. Denn nicht nur seine technische Versatilität im Umgang mit Reimen, seine einzigartige Beatproduktion und der gekonnte Rhythmus seines Sprechgesangs machten ihn berühmt. Nein, auch seine Themenwahl war ebenso breit gefächert wie auch idiosynkratisch. Zum Beispiel das Album "Take Me To Your Leader" (2003), auf dem DOOM unter dem Pseudonym Gheedorah in die Rolle des Godzilla-Erzfeindes schlüpft. Ein anderes Beispiel ist "Mm..Food" (2004), ein ganzes Album übers Essen. Fan Favoriten wie "Operation: Doomsday" (1999), "Madvillainy" (2004 zusammen mit Producer/Rapper Madlib) und "Born like This" (2009) dürfen natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

Der Tod von MF DOOM war für viele ein Schock, passend zu einem miserablen Jahr, doch für seine Fans und solche die es noch werden wollen, wird er für immer unsterblich bleiben. Rest in Power, Villain.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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