Post aus: Südspanien

Ende Oktober auf Urlaub zu fahren ist schwierig. Irgendwie ist das Wetter überall grau und regnerisch. Auch der Plan, dem Wetter in Spanien zu entkommen, stand zuerst auf dem Spiel. Die Wettervorhersage für Sevilla am Abreisetag: vier Tage Regen und 18 Grad. Danach Sonnenschein und 30 Grad. Nach vier Tagen Sevilla soll es aber weiter nach Malaga. Die Wettervorhersage für dort am Abreisetag: 30 Grad und Sonnenschein. Für vier Tage. Danach: 19 Grad und Regen. Die Stimmung bei der Abfahrt war dementsprechend nur verhalten optimistisch.

Sevilla

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In Sevilla hat es tatsächlich auch die ersten Tage geregnet. Allerdings hat das der Schönheit der Stadt – so kitschig das auch klingt – kaum Abbruch getan. Sevilla ist nämlich voll mit wunderschönen alten Prunkgebäuden. Dementsprechend braucht es gar nicht so viel Hitze und Sonne, um etwas Schönes zu entdecken: etwa die einzelnen Hausfassaden, alte Palais, die unübersehbare Kathedrale (die tatsächlich architektonisch sehr viel zu bieten hat) und das große Museum gegenüber der Kathedrale. Außerdem sehenswert ist der Palaza de Espana, ein großer Palast mitten in einem riesiegen Park, den die Infantin Maria Christina der Stadt geschenkt hat. Heute sind Ministerien drinnen, deshalb kann man nur auf die Balkone des Palastes, um auf den Park hinunterschauen. Auch der Park selbst hat mit unserem heutigen Verständnis wenig zu tun: Nebst viel Grün gibt es viele kleinere Paläste, Statuen und Pavillons zu sehen.

IMG 1443Das Besondere an Sevilla ist aber das Konzept der Stadt selbst: Die Gassen sind winzig und auch wenn man irgendwann den Überblick bekommt, verläuft man sich andauernd. Das Überraschendste war aber, dass trotzdem überall Autos durchfahren. Solange es sich ausgeht, tauchen hin und wieder auch in den schmalsten Straßen Autos auf. Das Geräusch von Reifen, die am Randstein entlang quietschen, ist deshalb in Sevilla doch ziemlich präsent. Das Schöne ist aber, dass man hinter fast jeder Straßenecke ein neues Restaurant mit Tapas entdeckt und Kirchen ohne Ende verfügbar sind. De facto gibt es in Sevilla aber  nur eine Regel: geh, solange es Spaß macht, genieß die Architektur, und dann such dir ein Lokal. Auch das ist in Spanien nämlich tatsächlich wie das Klischee. Es gibt Taps und Sangria ohne Ende. Und das Beste an Tapas ist: es sind nicht nur belegte Brote als Häppchen. Wer sich von Tapas ohne Ende ernährt, bekommt Meeresfrüchte und Fisch zu ziemlich annehmbaren Preisen. Außerdem gibt es fast überall Sangria und kleine Biere um einen Euro. Und nachdem es trotz Regen eigentlich ziemlich warm war, kann man auch den ganzen Abend auf Terrassen draußen sitzen und einfachIMG 1444 die Stimmung aufsaugen, die in Spanien ziemlich urlaubsmäßig ist. Das sieht man alleine daran, dass fast alle Geschäfte von rund zwei bis fünf Siesta machen. Auch dieses Klischee hat sich als mehr als wahr erwiesen. Der Vorteil ist, dass man noch kurz vor dem Abendessen (oder eigentlich danach) noch kurz was besorgen kann, weil alle Geschäfte offen haben.


Am letzten Tag hat Sevilla aber doch noch das Versprechen eingehalten, die Sonne ist herausgekommen und die Temperatur auf locker 25 Grad gestiegen. Besonders vom Metropol Parasol aus hat man einen besonders schönen Blick über die gesamte Stadt und auch das Parasol selbst fällt durch seine Architektur auf. Auch die Stadt selber bekommt durch die Sonne einen ganz neuen Flair, wodurch alles noch einmal wesentlich exotischer und urlaubsmäßiger wirkt.

 

Malaga

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Malaga hat dafür entgegen der Wettervorhersage von Anfang an alle Wünsche erfüllt. 28 Grad, Sonnenschein und ein direkter Meereszugang. Am 26. Oktober bis zu den Knien im warmen Mittelmeer zu stehen ist das Gefühl von einem Sieg gegen den Winter. In Malaga hat sich das Wetter – und vor Allem der Sonnenschein – auch darin bemerkbar gemacht, dass die Hälfte meiner Fotos überbelichtet sind. Andererseits war genau das das Ziel: Sommer, Sonne, Sonnenschein und ein bisschen Abschalten. Dementsprechend war auch Malaga einfach nur Entspannung. In der Stadt kann man wie in Sevilla ohne Ende spazieren und kleine oder große Dinge entdecken. Wiederum Statuen, Palais und vor allem das Meer.

Einfach entlang des Piers zu gehen und dabei immer das Wissen zu haben, ein komplette Kontrastprogramm zum grauen Wiener Wetter zu haben, ist unglaublich entspannend. Auch Malaga hat (wie wahrscheinlich alle Städte in Spanien) eine riesige Kathedrale (allerdings verlangen sie zehn Euro Eintritt) und winzige Gassen. Aufgrund der universitären Geschichte wirkt Malaga wesentlich internationaler als Sevilla und hat, auch wenn es eine Themenwiederholung ist, aufgrund des Meeerezugangs noch einmal wesentlich billigere Tapas. Wer es selber gerne übernimmt, kann aber auch zum Markt in Malaga gehen und zu unverschämt billigen Preisen Garnelen und Muscheln zur eingenhändigen Weiterverarbeitung kaufen.
Malaga hat außerdem ein altes römisches Theater und eine mittelalterliche Burg - das Castillo de Gibralfaro. Die rund 130 Meter hinauf sind zwar teilweise ein bisschen steil, aber von oben wirkt die Stadt unglaublich winzig und das Meer so unglaublich nahe. Infolge dessen erscheint auch hier die Altstadt wie ein sehr kleiner Teil der Stadt, aber dennoch ist alles dort sehr sehenswert.

Spanien zeichnet sich zusammengefasst nicht nur durch die schöne Architektur aus, sondern besonders durch die Lebendfreude und das Urlaubsflair, das durch alle Kleinigkeiten entsteht. Im Sommer ist das Land wahrscheinlich von Touristen überlaufen, aber als kleines get-away im Herbst ist Spanien eindeutig empfehlenswert.

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