AUF REISEN

Post aus: Santorini

Der pastellfarbene Horizont, der Sonnenuntergang, das Wasser. Die Erde, die salzige Luft auf den Anhöhen, eine konstante Brise, der Tau am Morgen auf der Blütenpracht, die Süße der überreifen Feigen und das Grillenkonzert bei Nacht. Santorini, mal leise, mal laut, ist ein Erlebnis.

Santorini

Santorini – die Luxus-Insel für Superreiche, die allzu gerne für Hochglanz-Hochzeitsfoto-Sessions und Infiniti-Pool-Spaß in den Steilküsten der Caldera genutzt wird.
Santorini – die Krater-Insel, entstanden durch einen Vulkanausbruch etwa 1500 v. Chr., von Venezianern benannt nach der auf der ausgegrabenen Basilika der Heiligen Irene.
Santorini – die Marke. Schwarzer Sand, weiße Höhlenhäuser in der Caldera. Weiße Auberginen, Weißwein, blaue Kirchendächer. Alles, was Google Bilder verspricht, wird eingehalten. Selbst wenn die Qualität der Smartphone-Kamera noch so schlecht ist, sind die Fotos atemberaubend.

santorini06 kleinCaldera Oia, Santorini © Andrea Travnik

Verstecktes Versprechen

Neben gut besuchten Stränden und regem Nachtleben in Thira und Oia verspricht Santorini Exklusivität und Privatsphäre in sogenannten "hidden villas". Auf intimes Ambiente setzen Lokale wie Yalos, wo man fast das Gefühl bekommt, auf einem Privat-Strand mit stylishen Shisha-Pavillons und Chill-out-Zonen gelandet zu sein. Das Bedürfnis nach Ruhe und Zurückgezogenheit verstehe ich umso mehr, nachdem ich mich durch die verzweigten Wege der touristischen Brennpunkte schlängele. Über viele Stufen, auf und ab, bekommt man auf fast exhibitionistische Weise Einblick in den Urlaubsalltag der Menschen: Da kocht sich ein reicher Herr sein Abendessen in Unterwäsche, dort schmiegt sich ein Pärchen in einem Pool aneinander, beobachtet von Touristen aus aller Welt, von links und rechts, von oben und unten, dank der architektonischen Bauweise in die Steilküste.

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Santorini bei Nacht © nextvoyage, Pixabay

Stein auf Stein

Eine Insel, die durch den stets bröckelnden Stein, die aufgebrochenen Straßen und wüstenähnliche Landschaften wie in Koloumpos zeitweise unbarmherzig scheint. Gentrifizierende Bemühungen dem Tourismus zuliebe sind rigoros, wie z.B. in der Gegend Exo Gialos, wo ein typisch weißes Santorini-Haus nach dem anderen auf karger Insellandschaft gebaut wird.

Mein Santorini-Confidant erklärt mir eines Tages, wie sehr es ihn verblüfft, wie viel in den letzten Jahren gebaut wurde – und noch immer gebaut wird. Auf Stein, der bröckelt, Bimsstein, Lavagestein. Bei so mancher Autofahrt staunen wir über große Brocken, die sich von Gesteinsmassen gelöst haben und mitten auf der Straße liegen bleiben. Von der Gefährlichkeit abgesehen: Es ist gerade diese Naturgewalt, das Gestein und die Berge, die mich an Santorini so faszinieren.

santorini03 kleinBlick auf Vulkan © Andrea Travnik

 

Kino und Literatur: Unter Sternen

Das kulturelle Wohl kommt auf der Insel nicht zu kurz. Unbedingt einen Besuch abstatten beim Open Air Cinema in Kamari, in dem man sich in eine andere Welt versetzt fühlt: Ein Garten-Paradies, das sentimentales Hollywood Flair und urbane Ästhetik versprüht. An der großartigen Bar ist man allzu versucht, sich einen kühlen Cocktail zu Film-Songs aus den 30er- und 40er-Jahren zu gönnen, bevor der Vorhang unterm Sternenhimmel aufgeht.

Wer Santorini googlet, wird die Aussicht von Oia auf die Caldera vorgeschlagen bekommen. In Sonnenuntergangslicht getaucht, natürlich lass ich mir das nicht entgehen. Und wer vorm sonnigen Showdown vielseitge Lektüre mit Ausblick genießen möchte, geht zum Buchladen Atlantis, der in seinem Inneren voller literarischer Schätze ist. Erstausgaben, feministische Literatur, Zitate in geheimen Winkeln auf Steinmauern, ein Schmöker-Paradis!

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Buchladen Atlantis © Andrea Travnik

Essen, Essen, mehr als Essen

Für richtig gute Crepes und Waffeln geht die Reise wieder in Richtung Kamari, wo das Traffico mit süßen und pikanten Speisen preisgünstig verwöhnt. Das charmante Team rund um Koch Sasha ist Grund genug, dort einen Besuch abzustatten.

Ein Schwebegefühl nicht nur wegen der Aussicht übers Meer bei Nacht bekommt man im Kokkalo, Thira, das ein Paradies für Fleischtiger und Weinliebhaber ist. Über funkelnde Insellichter blickt man im gemütlich-romantischen Metaxi Mas, dessen Speisekarte eine ausgewogene Mischung zwischen griechischen Klassikern der vegetarischen und fleischigen Sparte darbietet. Neben ausgezeichneten Speisen ist es vor allem die unaufgeregte, rustikal-mediterrane Ästhetik, die verzaubert. KellnerInnen in lässiger Straßenkleidung servieren liebevoll zubereitete Speisen: Hier musste ich einfach das Santorini-eigene Gericht Fava probieren: ein Pürree aus gelben Linsen, garniert mit Kapern und Jungzwiebeln – die Gewürzmixtur ist mir bis heute ein Rätsel. Ich weiß lediglich, meine Geschmacksnerven hatten solch spannende Kombination noch nicht gekannt.

Was ich auch nicht wusste: Die Griechen können Salat. So richtig. Und ich spreche eben nicht von griechischem, sondern Salat in allen möglichen Variationen, Dressings und Toppings. Granatapfelkerne, Olivenöl, Gorgonzola, Feta, saure Äpfel, die die Reife der Feigen ausbalancieren, Hartkäse, der Blattsalat sanft würzt. Im Tranquilo, Perissa, wird diese Kunst auf die Spitze getrieben. Neben XL-Salaten, an denen sich ohne Weiteres vier Personen sattessen können, sind es die Smoothies und das Räucherstäbchen-, Yoga-, Bob-Marley-Ambiente, bei dem man irgendwann die Beine hochlegen, die Wellen und zufriedene Strandhunde beobachten möchte.

Kleines Fazit einer positiv überraschten Person, die mildes Essen bevorzugt: Es gab keine Speise, die mir zu salzig war. Meine Begleitung erklärt, dass dies typisch für die Insel-Küche ist und warum einige BesucherInnen dann doch etwas enttäuscht sind. Nachwürzen geht dann ja doch immer.

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Fava © Andrea Travnik

Santorini laut und leise

Der pastellfarbene Horizont, der Sonnenuntergang, das Wasser. Die Erde, die Luft auf den Anhöhen, die konstante Brise, der Tau am Morgen, die Blütenpracht, die Süße der überreifen Feigen und das Grillenkonzert bei Nacht. Santorini, mal leise, mal laut, ist ein Erlebnis.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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