AUF REISEN

Post aus: Washington D.C.

Die USA. Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Washington D.C. die Hauptstadt. Im November wieder heiß umkämpft, wer soll die freie Welt regieren?

Von dem ganzen Pathos merkt man in der Stadt aber noch nichts. In Washington wird es langsam wieder Frühling, das Wetter schwankt zwischen "unbedingt Haube einstecken" und "heute trage ich die Lederjacke nur über dem Arm". Am berühmten Soldatenfriedhof Arlington beginnen die Kirschbäume über den Gräbern wieder zu blühen, die Gefahr eines Sonnenbrandes ist jederzeit gegeben.

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Arlington. Foto: S. Braunisch

Die Distanzen sind trotzdem weit. Gelinde gesagt. Ein Tag Sightseeing entlang der National Mall kann schnell zu einem 25-Kilometer-Spaziergang werden. Die National Mall ist nämlich die Vorzeigemeile der Nation. Vom Lincoln-Memorial, dass immer wieder in Filme zu sehen ist, bis zum Capitol – ebenfalls weit über die Landesgrenzen hinaus ein bekanntes Bild. Dazwischen: Denkmäler für Präsidenten, Denkmäler für Kriegsgefallene. Den Vietnam-Krieg, den zweiten Weltkrieg. Die helfenden Frauen. Für Präsident Lincoln, für Präsident Jefferson, für Präsident Washington. Am Übergang von der Parkähnlichen Fläche zur Allee zwischen den großen Museen wird gerade an einem Denkmal für den ersten Weltkrieg gebaut. So viele Mahnmale für Tote, dass man den Zugang der Amerikaner immer wieder kritisch überdenkt.

Genau in der Mitte der Mall ist das Washington Monument, quasi ein riesiger Obelisk. Er ist nicht nur ein Denkmal, sondern offenbar auch beliebter Aussichtspunkt. Statt des Washington Memorials kann man aber auch einfach das alte Post Office im Trump Hotel besichtigen. Den Turm kann man gratis besichtigen, von dort gibt es auch eine gute Aussicht über die Stadt.

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Ein Blick auf den Kongress. Foto: S. Braunisch

Aussicht gibt es auch vom Dach des Watergate Hotels, wer ein bisschen Zeit hat, kann sich auch den Scandal Room ansehen, in dem damals die Abhöroperation stattgefunden hat.

Museumsmeile im Stadtzentrum

Gleichzeitig ist die andere Hälfte der National Mall im Prinzip eine Museumsmeile. Hinter den Denkmälern Richtung Kongress gehen links und rechts der Mall die Museen des Smithsonian weg. Ein riesiges Museum neben dem nächsten, in der zweiten Reihe dahinter jeweils die Verwaltungsgebäude der Bundesbehörden. Allesamt so groß, dass ein Gebäude einen Block groß ist. Einen Block, der leicht zehn Minuten braucht, bis man eine Seite entlang ist. Und in der Innenstadt rund um all diese riesigen Gebäude sind viele davon eher leer. Hotels, Verwaltungsgebäude, Museen, hin und wieder ein Sandwichshop. Wobei die Museen fast alle gratis sind, besonders empfehlenswert ist die National Gallery, wo man fast alles findet. Auch beliebt ist das Museum of African American History, dass das neueste Museum ist. Das Konzept der Spezialisierung zieht sich aber durch, auch indigene und afro-amerikanische Kunst haben ein eigenes Museum. Belebtes Straßenleben gibt es dazwischen aber kaum, auch wenn Google Maps mit seinen orange schraffierten Gebieten immer wieder anders suggeriert. Dafür muss man schon aus Downtown raus.

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In der National Gallery. Foto: S. Braunisch

Kleinstadtflair am Rande der Großstadt

Am allernächsten dazu Chinatown, wobei das es fast zu Downtown gehört und die Bezeichnung Town fast nicht verdient hat, eigentlich sind es nur zwei Straßen. Aber: das Essen ist gut und es gibt das traditionelle chinesische Tor, was auch hübsch ist. Noch hübscher sind aber die Gegenden, in denen Bars, Geschäfte und ein Hauch Individualismus spürbar sind. So wie in Georgetown. Am ganz westlichen Ende vom Stadtzentrum liegt die Universität, die mit fast 250 Jahren fast schon ungewöhnlich alt für etwas in den USA ist. Das Besondere ist aber nicht ihr Alter, sondern dass rund um den Campus fast nur Wohnhäuser aus der Zeit sind. Nur zwei Stockwerke hoch, fröhlich bunt und viele an der größeren Wisconsin Avenue haben im Erdgeschoss Shops oder Restaurants drinnen. Endlich belebt also. Genauso wie in Adam's Morgan. Auch der Stadtteil ist eher außerhalb, kleine Häuser, bunte, freundliche Farben. Aber Tür an Tür Restaurants, Bars und internationale Küche.

Wem die Wege zwischen all dem zu lang sind, kann einfach den Bus nehmen. Die sogenannten Circulator fahren fünf Strecken ab, von der National Mall zu all diesen äußeren Hotspots. Georgetown, Adam's Morgan. Zum Dupont Circle, einer Gegend, die mehr an Einkaufsstraße erinnert, abends aber mit Happy Hours lockt. Oder 14th Street, über die der Bus nach Adam’s Morgan fährt, wo es mexikanische Restaurants und mehr Happy Hours gibt. Aber auch Second-Hand-Shops, bei denen man nicht von Second Hand ausgeht.

Und dabei sind all diese Gegenden in einem einzigen Viertel der Stadt. Das amerikanische Reißbrett-System geht nämlich in verschiedene Richtungen. In Washington ist der Kongress die Mitte. Norden, Süden, Osten, Westen. Buchstaben für Ost-West und Zahlen für Nord-Süd-Straßen gehen von dort weg. Im Süden ist beispielsweise der Hafen entlang des Potomac-Flusses. Ein kleiner Hafen, aber mit guten Burgern. Im Osten, hinter der Union Station fängt der nächste Georgetown/ Adam's-Morgans Abschnitt an. Und zwar erst am letzten Tag entdeckt, aber dort gibt es sogar eine Straßenbahn. Die Unterschiede innerhalb der Stadt sind also doch immer wieder sehr groß, aber genau deshalb zahlt es sich aus, einfach herumzustreunen und viel anzusehen. Und auch wenn es ehrenhaft ist: aber es muss wirklich nicht immer nur zu Fuß sein. Dafür sind amerikanische Größenverhältnisse einfach nicht gemacht.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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