AUF REISEN

Post aus: Kärnten

Urlaub in Österreich ist je nach Präferenzen ja nicht unbedingt nur das Motto für den Corona-Sommer, sondern eh häufig. Die Frage ist halt wo. Als Kind war ich oft in Kärnten, jedes zweite Jahr am gleichen Bauernhof. Manche würden sagen, das hat mir als Stadtkind schon etwas über das Land beigebracht, andere lachen mich aus, wenn ich vom Kälberfüttern erzähle. Aber schön war es.

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Alle Fotos: S. Braunisch

Seitdem sind aber viele Sommer ins Land gezogen und in Kärnten bin ich immer nur auf der Durchreise oder ehrlicher: So gut wie gar nicht. Dank neuerer Freundschaften und einem Sommer, in dem man einfach alle Freunde daheim besucht, war jetzt aber quasi wieder ein Ausflug angesagt. Anfangen tut das wie viele Reisen in Österreich mit einer ganzen Menge Zeit im Zug und einem unvorhergesehenen Stopp irgendwo im Nirgendwo, weil etwas mit den Leitungen nicht passt. Aber dann. Begrüßt Kärnten, dass sich wie mindestens zwei andere als das sonnigste Bundesland des Landes anpreist, mit grauem Himmel über dem Weißensee, der bei Sonne mehr die Farbe des Meeres als eines Sees hat.

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Alle Fotos: S. Braunisch

Leckereien als Sehenswürdigkeiten

Schön ist er allerdings trotzdem und so über den See zu blicken, der sich irgendwo weiter hinten zwischen den Bergen am Horizont verläuft, bringt einen schon auch ganz schön in Urlaubsstimmung. Außerdem gibt es wirklich gute Jausen und Jausnen ist in Kärnten so circa drei- bis viermal am Tag möglich und artet meistens eher in einer vollwertigen Mahlzeit mit vielen Snacks aus, die es in Wien eher im "Regionalregal" im Supermarkt gibt, in Kärnten aber einfach überall im Überfluss vorhanden sind. Da naschen vielleicht auch VegetarierInnen schon mal ein Stückchen Speck.

Urlaub in Österreich heißt, das man immer auf ein Auto angewiesen ist. Und in Kärnten, das man dann auch kein Problem mit Bergstraßen haben sollte. Auf dem Rücksitz beschränkt sich das aber auf die Aussicht auf viele Bäume, auf das große Auf und Ab neben der Straße und einem Gefühl aus der Kindheit, wenn man einfach nur aus dem Fenster sieht und alles im Blickfeld einfach so viel größer ist als man selbst.

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Alle Fotos: S. Braunisch

Grundsätzlich ist es aber so, dass die Sehenswürdigkeiten in Kärnten eher in die klassische Österreich-Kategorie fallen. Da ein Schloss, in dem Ausstellungen sind, dort gibt es super Käsespätzle, hier noch ein Schloss, einmal am See und dazwischen einige kleine Galerien oder Skulptur-Gärten, die jemand als Hobby öffentlich zugänglich macht.

Kleine Ausflüge, wenig Aufregung und endlich Abschalten

Der Vorteil daran: alles ist irgendwie spektakulär und irgendwie nicht und dabei schaltet man im Kopf so richtig schön ab. Ideal ist es natürlich, wenn sich jemand anderer um das Programm kümmert und man einfach nur mitgehen und genießen muss. Und irgendwie zahlt es sich auch ziemlich aus. In Gmünd beispielsweise (ja, das gibt es nicht nur im Waldviertel) gibt es im Schloss tatsächlich wahnsinnig gute Käsespätzle und die Aussicht dazu über das gesamte Liesertal ist natürlich auch wirklich Urlaub fürs Auge, wie es so schön heißt. Der andere Vorteil an Urlaub bei Freunden ist natürlich, dass man zu allem die Insiderstories bekommt. Wie viele Jahre gibt es die Festspiele schon in Spittal an der Drau, welche Lokale haben neu aufgemacht, welche haben zugesperrt? Und teilweise müssen diese Geschichten dann auch herhalten, es kann nämlich schon einmal passieren, dass das Lokal um neun am Abend zusperrt. Besser ist es aber zu genießen und stattdessen am Nachmittag in der Käserei vorbeizuschauen, da gibt es beispielsweise in Radenthein die Kaslabn, die einen wahnsinnig guten Heukäse hat und der Veltliner dazu ist auch sehr zu empfehlen.

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Alle Fotos: S. Braunisch

Genauso wie ein Tag am See. Es muss nicht unbedingt der Weißensee sein, der ist nämlich zwar idyllisch, aber auch einer der höchsten Bergseen und deshalb (wahrscheinlich) eiskalt. Der Millstättersee ist da ein bisschen besser, dort erfriert man nicht ganz so. Auch wenn ich als Stadtkind reinspringen muss, weil langsam reingehen eine zu große Überwindung ist. Und auch, wenn man einen ganzen Tag am See liegt und nichts macht außer Lesen und Schwimmen: von all den kleinen Ausflügen wird man schon auch schnell müde, wodurch die Schlafenszeiten sich eher denen von Kindern wieder annähern. Das Einzige, was dann noch fehlt, ist ein Ausflug zur Sommerrodelbahn. Aber den hole zumindest ich persönlich einfach im nächsten Teil des Urlaubs in Salzburg nach.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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