Kottan und das Puppenspektakel

Kottan01Was für ein Fest für Augen und Ohren im Rabenhoftheater. Bei der Premiere zu "Kottan ermittelt - Das Puppen-Musical" gab es nicht nur einen munteren und völlig in dem Stück aufgehenden Christian Dolezal in der Rolle des Major Adolf Kottan zu bestaunen, sondern auch zahlreiche Akteure, die erst durch die Hände von den Puppenspielern Manuela Linshalm und Nikolaus Habjan belebt wurden. Die Inszenierung des neuen Falls für den so schamlos uncharmanten Kieberer Kottan bekommt dank des Zusammenspiels mit den Puppen einen herrlich frischen Wind, welcher mit dem abwechselnd säuselnd-(be)rauschenden Live-Sound von Kyrre Kvam untermalt wird. Der norwegische Komponist stellt in würdiger Vertretung als Ein-Mann-Besetzung die „Kottan Kappelle“ dar. Discokugel und bunte Lichter tragen zur gelungenen Abrundung bei.

Kottan04Das Bühnenbild hält sich schlicht in einer Mischung aus grau-schwarz. Dadurch kann sich der szenische Raum wie ein Chamäleon den Bedürfnissen der Schauspieler bzw. Puppen anpassen. Wir werden von Kottan mit zu sich nach Hause genommen, dann wiederrum befinden wir uns plötzlich in der „Bar jeder Hoffnung“, welche sich im Verlauf zu einem Dreh – und Angelpunkt ent'puppt' und uns in die Welt von Puppendame Milla einsaugt. Alle Stationen auf dem Weg für die Ermittlungen zum Fall, welcher an Kottan herangetragen wird sind spannend und die Dialoge pfiffig und oftmals mit einer amüsanten Priese versehen. Besonders Wiener kommen auf ihre Kosten und mit einer Prise Humor auf den Lippen, können auch die „Piefkes“ z.B. bei einem kecken Numerus Clausus-Fluchtwitzchen lachen.

Der Fall an sich ist jedoch eigentlich gar nicht zum Lachen: Kottan ist auf den Fersen eines psychopathischen Frauenmörders, welcher in Wien umherspukt und verschiedene Frauen, ohne jedes erkennbare Muster, verschwinden lässt, um sie Teil seines großen Kunstwerkes werden zu lassen. Zudem ist auch noch zeitgleich die Tochter des Vizebürgermeisters abgängig und man fragt sich unweigerlich: haben beide Fälle etwas miteinander zu tun? Es muss unverzüglich eine Sonderkommission eingerichtet werden.

Kottan05Nicht nur das Publikum ist dem wenig begeisterten Kottan voraus, auch seine werte Frau Mama ist bemüht Licht ins Dunkel zu bringen und nutzt dafür hin und wieder ethisch diskutierbare Mittelchen und zeigt ihrem Sohn die Weiten dieses ominösen, vielseitig nutzbaren Internets.

Als zentrale Requisite für das Stück, dient lediglich ein multifunktionaler Tisch. Um diesen herum wird gespielt was das Zeug hält. Die Puppen ziehen durch ihre lebendige Bespielung viel Aufmerksamkeit auf sich und jede einzelne ist auf ihre Art liebevoll drollig gestaltet. Kottans Mitarbeiter Schrammel besticht durch einen dumpfbackigen Gesichtsausdruck, welcher gefühlt noch durch seinen unerwarteten LSD Trip, während der Ermittlungen, verstärkt wird. Auch der Polizeipräsident Pilch hat seine Glanzmomente und wedelt die Stimmung nur so auf die Bühne mit seiner Fliegenklatsche. Die wilde Mama Kottan schließen wir dank ihrer direkten und etwas schroffen Art, sofort ins Herz. Mit Ilse, Kottans Frau, leiden und fühlen wir mit und wiederrum der kesse Kevin nebelt uns herrlich ein. Die beiden Puppenspieler wechseln die Figuren und Rollen flink wie Wiesel und bringen uns auch gesanglich mit auf einen erfreulichen Kurs. Wäre das Stück ein Drink, dann ein Moscow Mule: Der enthaltene Wodka steht für den Schwung in der Inszenierung, die Eiswürfeln für die prickelnden, musikalischen Darbietungen, das Gingerbeer für die fließenden Übergänge und die Zitronenscheibe für die runde Sache des Gesamtwerks. Der opulente Applaus am Ende der Vorstellung setzt dem Ganzen noch ein gezuckertes Minzblatt obenauf.

Wir haben nichts hinzuzufügen und sagen ‚Prost’ - aber natürlich ganz Kottan typisch mit einem Bier.

Wer sich das groteske Spektakel nicht entgehen lassen möchte, hat noch bis zum 31. Jänner Zeit zu einer der fünf verbleibenden Veranstaltungen zu gehen. Karten gibt es ab 29€ für Schüler, Studenten und Arbeitslose gibt es jedoch 50% auf den Vollpreis, für Rentner 20%. Hier geht es zur Seite des Theaters: http://www.rabenhoftheater.com/.