Klein Zaches - Operation Zinnober

volkstheater02Wer nun zum ersten Mal von "Operation Zinnober" liest, muss sich nicht grämen. Auch die Autorin dieses Artikels erfuhr von der Geschichte erst im Zusammenhang mit der Vorpremiere im Volkstheater, welche am Samstag, den 11.02., stattfand.

Die Geschichte ist in Kurzform rasch erzählt: Es beginnt alles in einem Land, welches unteranderem von Feen bevölkert wird und zahlreiche wundersame Begebenheiten aufweist. Dort treffen eine Fee namens Rosabalverde und ein armes Bauernweib namens Liese aufeinander. Liese hat eine Korb dabei, in welchem sie ihr missgestaltetste Söhnchen, welcher auf den Namen Zaches hört, mit sich trägt. Aus Mitleid kämmt ihm die Fee heimlich die Haare und verleiht ihm damit eine besondere Gabe. Fortan wird er für alle als wunderschön angesehen und im Laufe seines Lebens hält ihn jeder für unfassbar klug und gescheit. So kommt es auch, dass jede Leistung, welcher ein anderer in seiner Gegenwart vollbringt, ihm, Zaches, zugeschrieben werden.

Zaches Name wandelt sich in Zinnober, auch passend zu seinem feuerroten Haar. Er steigt im Verlauf seines jungen Lebens zum geheimen Spezialrat auf ist dabei sich mit der Tochter des naturwissenschaftlichen Professors Candida zu verloben. Dies geht dem Studenten Balthasar gewaltig gegen den Strich, denn ist auch er in innige Liebe zu der schönen Tochter des Professors entbrannt.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und so kommt es, das ein alter Widersacher der Fee, der große Magier Proper Alpanus, ein magisches Duell mit der Fee ersucht. In dessen Verlauf zerbricht der Kamm, mit welchem sie ihrem Zinnober regelmäßig die Haare kämmt und somit den Zauber an ihm aufrecht erhält. Zur gleichen Zeit steht die Hochzeit zwischen Zinnober und Candida an und jeder Anwesende von der Hochzeitsgesellschaft wundert sich, was für eine gnomenhafte Gestalt als Bräutigam auftritt. So kommt es, dass der Student Balthasar seine Candida ehelichen kann und der Zwerg Zinnober, in seinen Gemächern eingeschlossen, verstirbt.

volkstheater01In der Inszenierung vom ungarischen Regisseur Victor Bodó verläuft es zwar dem roten Faden folgend, doch gab er sich viel Mühe, die Geschichte mit neuem Pepp zu versehen und brachte ein sehenswertes Produkt heraus. Gabór Biedermann spielt den Zaches/Zinnober mit solcher Innbrunst, dass es eine wahre Freude des Zusehens ist. Dabei kommt es nicht nur auf die Kostümierung an, sondern vielmehr auf die feinen Gesten und Züge, welche über das Gesicht des Zinnobers huschen. Auch die Augen liefern ihren Grad an Verrücktheit und überraschen mit aberwitziger Leistung. Gewieft und mit einer aufmüpfigen Art, die manchmal in den Ohren schmerzt, verdreht er fast allen den Kopf und den Verstand. Zudem immer mit dabei im ganzen Geschehen: Der Kameramann und sein Assistent. Der Zuschauer hat stets die Wahl, wie er das Theaterstück wahrnehmen möchte. Die große Leinwand im Hintergrund präsentiert sich als Mikroskop und lässt die Darsteller auf gekonnte Art und Weise nochmals opulenter wirken. So auch im Falle der Nahaufnahmen der Fee Rosabelverde, welche mit ihren Blicken die reihen verhext. Viele der Spezialeffekte wirken gerade auch durch die Projektion an die Leinwand um wein vielfaches realer und ziehen uns in einen zusätzlichen Bann.

Ob qualmende Kleider oder dampfende Badekübel - hier geht es rund und die Bühne wird mit so vielen Requisiten bespielt, dass man hin und wieder als Betrachter den Überblick verliert und in ein anerkennendes Nicken versinkt, über den Fakt, dass die Schauspieler selbst den Überblick behalten. Die Wände werden spielend verschoben, nehmen immer neue Dimensionen an. Auch die Live-Musik bewirkt ihren Teil zu dem munteren Spektakel. Die vielfältigen Formen und Arten des Herangehens an das Stück können überrumpeln, doch lässt man sich darauf ein, wird man mitgerissen und landet in einem Märchenland in dem alles möglich ist. Hier werden "Roboterfrauen" ausgerufen und Pistolenmunition im Flug für neue Elixiere hinzugezogen. Wer noch nichts über die Bedeutung des Wurmes wusste, sollte besonders aufpassen, hierbei sausen nicht nur den werten DarstellerInnen die Ohren. Gequieke und harte Bässe lösen einander ab und enden in einer Kakophonie, die es in sich hat. Jeder der Schauspieler meistert und interpretiert seine Rolle auf eine Art, die das Zuschauen zu einem Genuss werden lässt. Doch hört und seht am Besten selber. Ab dem 12.02. besteht die Möglichkeit dazu. Heute Abend ist die Premiere im Volkstheater.