THEATER

Den Gemeindebau wirst du nicht los

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Foto: Alexander Gotter

Manche Familien zerstreuen sich einfach. Kinder ziehen aus, ziehen weg und die Besuche bei den Eltern werden seltener. Aber irgendwann muss man doch zurück und oft ist dafür der Tod der Grund. Eben wie in der VERSION IM WERK X AM PETERSPLATZ. Dort kommen zwei von drei Töchtern wegen des Begräbnisses ihres Vaters zurück in den Gemeindebau, die dritte ist nie weggegangen. Und mit der Zeit werden die Unterschiede zwischen ihnen immer größer. Die Gemeinsamkeiten aber auch - und noch mehr - die Geschichte der Familie im Gemeindebau. Klassische umgekehrte Erzählung quasi, in der man erst mit der Zeit immer mehr erfährt.

Die Ausgangssituation ist klar. Steffi und Anna waren lange nicht mehr Zuhause, müssen jetzt aber zurück. Und die Welt im Gemeindebau ist anders als ihre jetzige. Denn Anna ist verheiratet in Deutschland, offensichtlich schon länger, ihr Mann ist aber immer noch der "Piefke" für ihre Mutter. Steffi lebt am Land und hat offensichtlich Probleme, Kinder zu bekommen, will das aber wirklich. Und dann gibt es eben noch Gitti und die jüngste Tochter Sarah, die beide im Gemeindebau leben. Sarah wird dafür von ihren Schwestern eher abwertend betrachtet, sie hat ja noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss. Dafür ist sie schwanger und steht ohne Mann für das Kind da.

gemeindebau02 kleinFoto: Alexander Gotter

Starke Frauen als Leitmotiv

So viel zum Rahmen. Was sich dann entwickelt ist eine langsame Aufarbeitung, Kinder streiten, verarbeiten Traumata und erinnern sich, manchmal auch verklärt. Die drei Töchter sind dabei voller Widersprüche, Anna (LISA WEIDENMÜLLER) und Steffi (Sophie Prusa) sind sich dabei noch am Ähnlichsten. Trotzdem gehen beide sehr unterschiedlich mit ihrem Leben und dem jetzigen Konflikt zur Umgebung ihrer Kindheit um. Anna ist nämlich quasi die offene und lässt alles raus, Steffi ist dafür neurotischer. Beide sind damit in klarem Konflikt zu Sarah, die von JOSEPHINE BLOEB sehr direkt und frei heraus gespielt wird. Und schlussendlich steht LILLY PROHASKA dem Dreimäderlhaus als Matriarchin vor und lässt sich von ihnen auch wirklich nicht reinreden. Und noch weniger von JAN HUTTER, der als einziger teilweise eine eher blasse Nebenfigur abgibt. Gefühlt ist das aber auch so konzeptioniert, immerhin geht es um die Familienstruktur der vier Frauen.

Wie so oft im WERK X geht es auch am Petersplatz mehr um die Sozialkritik, den Konflikt zwischen den Gesellschaftsschichten. Und unabhängig von Gesellschaftsstatus zeigt sich eindeutig, dass wir alle am Schluss doch nur wir sind, besonders im Umgang mit unserer Familie. Egal, wie man Antirassismus erklären will, oder ob man in der Schwangerschaft raucht (Ja, die Kritik von Andreas Stockinger ist direkt und hart). Durch diese Direktheit gibt es aber auch einige gute Pointen, die auf einen Wiener Galgenhumor hinweisen, der schön zum Klischee vom Gemeindebau passt. Und wem das jetzt zu anstrengend klingt, der sei beruhigt: Am Petersplatz ist die Gesellschaftskritik immer auch witzig und schnell vorbei. Auf den Punkt gebracht, wie im Gemeindebau. Man braucht also keine Angst vor drei Stunden mühsamer Sozialanalyse haben, sondern kann schwarzen Humor (und Wiener Lied-Ausflüge) genießen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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