THEATER

Ich wurde auserwählt, dieses Programm zu schreiben

 LISA SCHMID, Schauspielerin und Kabarettistin, widmet sich bei ihrem ersten Soloprogramm einem Thema, welches man nicht gleich mit einem lustigen Abend verbindet – dem Tod. Geschickt bricht sie dieses Tabuthema mit Wiener Schmäh und einem Ziel: ein Ehrengrab.

Die Bühne versinkt in rotem Licht, eine Staffelei mit einem Bild der Künstlerin Lisa Schmid und einer Schleife mit dem Aufdruck "Republik Österreich" ist sichtbar. In schwarzem Spitzenkleid kommt die Kabarettistin auf die Bühne und hält eine Grabrede, nämlich ihre eigene.

lisaschmidklein

Über das ganze Programm hindurch erzählt Lisa verschiedenstes aus ihrem Leben, was sie geprägt hat, was ihr passiert ist und der gemeinsame Nenner ist oft der Tod und ihre abgöttische Liebe zu Wien. Wenn sie Geschichten erzählt, schlüpft sie in die Rollen der Erzählungen und so bekommt das ganze einen humoristischen Charakter. Von einer Beamtin, einer Youtuberin bis zu ihrer Oma, die Dialekte überschlagen sich und die Anekdoten erwachen so auf der Bühne zum Leben.

Einen beträchtlichen Teil ihrer Erzählungen widmet Lisa Schmid ihrer Oma. Jene Frau, die ihr die Liebe zum Tod in die Wiege gelegt hat. So hat sie von ihr gelernt, dass man "Mein Beileid" in den verschiedensten Situationen sagen kann oder dass ein Trauerkranz auch ganz leicht zu einem Adventkranz umgeformt werden kann.

"Es ist wie beim Tod, es gibt kein Entrinnen"

Das Programm ist nicht nur eine Liebeserklärung an den Tod und den Friedhof, auf dem sich die Künstlerin so gerne aufhält, sondern auch eine an Wien mit allem, was dazugehört. Dabei thematisiert sie die Unfreundlichkeit, das Aufwachsen in der Stadt und die Politik. Sehr sympathisch lässt sie die Sozialdemokratie aufleben ("Da hat der Grant regiert") und bringt aktuelle politische Geschichten zu Tage.

Es wird auch gesungen auf der Bühne. Lisa begleitet sich mit der Gitarre und inspiriert von einem echten Wiener Sänger, Nino aus Wien, gibt sie auch ein Ständchen, welches den Abend abrundet.

"Es ist eine lange, traurige Geschichte. Lang wie das Leben, traurig wie der Tod"

Lisa Schmid versucht in ihrem ersten Soloprogramm ein spezielles und gar außergewöhnliches Thema zu behandeln. Sie schafft es auf eine gewisse Art und Weise mit einer provokanten, wienerischen Art dieses Thema zu enttabuisieren. Er wartet doch auf alle von uns. Leider setzt sie sich ab und zu sehr auf den Dialekt drauf, was an der Authentizität zweifeln lässt und ab und zu das gemütliche "Schau ma mal"-Wienerische zur Seite schiebt. Trotzdem gibt es viele Lacher im Programm und dazu neue Sichtweisen, die zum Weiterdenken anregen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top