THEATER

Wiener Schmäh und eingespielte Kabarett-Rezepte

Der Name  PEPI HOPF gibt ihm ein bisschen den Ton vor. Pepi klingt nach Wien, klingt nach ein bisschen länger her und ein bisschen nostalgisch. Das ist auch der Schmäh, denn die Anekdoten an die Tante Anna aus den 70ern und die leichte Trauer über den sterbenden Dialekt sind auch gleich sehr früh im Programm. Eigentlich geht es in  STERNZEICHEN: STUR aber ein bisschen darum, anlässlich seines 50. Geburtstags, zu überlegen, wo man steht. Und eine der Erkenntnisse war eben die. Sturheit. Das Sternzeichen ist im quasi in den Titel gerutscht, wie bereitwillig erklärt wird.

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Pepi Hopf, 2020 Foto: Barbara Hartl, Graph Art Line e.U.

Sternzeichen: Stur

Und damit treffen sich schon die zwei Aspekte "Sternzeichen" und "stur". Hopf spielt nämlich viele der Witze, weil sie funktionieren. Das macht zwar jede*r Kabarettist*in, aber oft wird einfach nur die Wahrheit gesagt. Die Kunst ist es, diese traurigen Tatsachen auf der Bühne so zu erzählen, dass alle darüber lachen. Und die Sternzeichen sind eben eines der Beispiele. Weil: Horoskope sind meistens Blödsinn. Da hat Hopf Recht, er nutzt das nur als Aufhänger für einen Exkurs über esoterisch angehauchte Frauen, Steine in Wasserkrügen und die Leichtgläubigkeit des Alters. Funktioniert als Witz, funktioniert auch bei vielen im Publikum. Manche der Witze sind dadurch aber aufgelegt wie ein glatter Elfmeter, jede*r sieht, dass der Ball hineingeht. Und das kann auch ein bisschen unspektakulär sein und ist damit eigentlich eine vergebene Chance.

Wobei die Frage des Publikums ganz entscheidend ist. Hopf spielt nämlich eben mit dem Charme des vergangenen Wiens und auch seiner eigenen Vergangenheit – deshalb ist Fußball ein immer wieder auftauchendes Thema. Anfangs gibt die Nostalgie noch den Ton an, es fallen Namen von Fußballern, bei denen nur Ältere oder sehr Fußballbegeisterte den Witz verstehen. Ist für viele witzig, als junge nicht-Fußballbegeisterte Frau eher öd. Aber: wer Neues entdecken will, muss auch Risiko in Kauf nehmen. Und teilweise funktioniert das. Denn mit der Zeit des Stückes wird Hopf lockerer, die Pointen funktionieren besser. Auch der Fußballanteil nimmt ab und es kommen stattdessen nur mehr Parallelen zum Spiel, die jederzeit Sinn ergeben und auch ganz unterhaltsam sind.

Faktencheck?

Der wahre Witz steckt aber auch für Hopf in der Politik. Nicht umsonst, schließlich nimmt deshalb fast jede*r Kabarettist*in das Thema auf. Und bei der österreichischen Innenpolitik des vergangenen Jahres. Nun ja, es ist so traurig, dass es zum Lachen ist. So geben Ibiza, die neue Koalition und auch die SPÖ Grund zum Lachen und viele seiner Analysen sind pointiert und gut erzählt. Zumindest Erzähltalent hat er jedenfalls. Schwieriger ist es dagegen bei den Fakten. Denn wie gesagt: Die Kunst ist es, die Wahrheit als Witz zu verkaufen. Das ist an manchen Stellen problematisch, weil Hopf sich doch aus dem Fenster lehnt. In manchen Erzählungen wird die Wahrheit nämlich dem Witz geopfert und das führt bei Wissenden zu Unmut, bei allen anderen könnte man es schlicht Verleumdung nenne, wäre nicht die Freiheit der Kunst der Schutzmantel für derartige Satire.

Zu Hopfs Vorteil wissen viele wohl aber nicht so genau Bescheid und das meiste wird nach dem Kabarettbesuch wohl auch nie dem Faktencheck unterzogen. Aber dafür muss Kabarett wohl auch nicht immer da sein. Wofür "Sternzeichen: Stur" sich dafür anbietet sind ansonst solide Schmäh-Geschichten, die mit Wiener Schmäh erzählt werden, ein bisschen die Freiheit der Siebziger und Achtziger vermissen und leicht nostalgisch zurückblicken. Inklusive Verklärung des damaligen latenten Rassimus der alten Tante, der Schmipfkultur und der Freiheit am Fußballplatz. Was teilweise auch einen Unterhaltungswert hat, teilweise aber wohl eher auf älteres Publikum abzielt. Andererseits: Das sind wohl auch die häufigeren Gäste im Kabarett, muss man anhand des Blicks ins Publikum zugeben.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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