THEATER

Ein bürgerliches Trauerspiel

Das aktionstheater ensemble ist bekannt dafür aktuelle gesellschaftliche Themen schnell aufzugreifen und ein Stück darüber auf die Bühne zu bringen. Wie auch jetzt im WERK X über Corona und die letzten Monate.

ktstheater00klein
"Bürgerliches Trauerspiel" im WERK X, aktionstheater ensemble, Foto (c) Gerhard Breitwieser

Hintergrundinformationen

Wirklich vorbei ist unsere On/Off-Beziehung mit Corona noch nicht. Das merkte man unter anderem an den unterschiedlichsten Sicherheitsvorkehrungen im Theater, wie Maskenpflicht, Abstand halten und Desinfektionsmitteln an allen Eingängen, die von allen Verantwortlichen und Besucherinnen brav eingehalten wurden. Wie könnte es anders sein. Immerhin waren einige Schauspielerinnen der Theatergruppe selbst an Corona erkrankt. Aufgrund von Corona musste auch die Premiere des "bürgerlichen Trauerspiels" von Mai auf September verschoben werden. Das hat jedoch die Möglichkeit geboten, dieses entsprechend umzubauen. Die ersten Monate des Lockdowns und dieser Pandemie sind es auf jeden Fall wert näher betrachtet zu werden.

Rahmenhandlung Corona

Drei Musikerinnen betreten die Bühne. Das Bühnenbild ist karg. Im Hintergrund stehen ein paar Käfige, gefüllt mit alltäglichen Dingen des Lebens, die eingesperrt wirken. Nach und nach betreten die verschiedenen Schauspielerinnen die Bühne.

Einen linearen Inhalt à la typischen bürgerlichen Trauerspiel gibt es nicht. Es geht hier nicht um einzelne Szenen oder darum eine Geschichte zu erzählen. Der Dialog steht im Vordergrund. Corona ist nur der Aufhänger zum großen Ganzen. So erzählen die verschiedenen Charaktere auf der Bühne anhand von Reflexionen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diese Pandemie bringt all die persönlichen Probleme zu Tage, die bereits vorher da waren: wie Alkoholismus, Beziehungsprobleme, Selbstverbesserer und Gesellschaftsverbesserungwünsche. Fleisch wird keines mehr konsumiert, Tomaten nur noch aus Österreich. Man ist besser als der Rest der Gesellschaft. Man denkt im Gegensatz zu den anderen ja an die Welt. Nein, man besucht die Eltern in Kärnten nicht. Das ist zu gefährlich. Aber den Urlaub in Miami und Kuba kurz vor dem Lockdown lässt man sich natürlich nicht entgehen. In ganz traditioneller Manier des aktionstheater ensembles wird ebenso das Publikum immer wieder direkt angesprochen und miteinbezogen, wie wenn uns einer der Protagonisten voller Freude und wiederholt seine Zunge zeigt.

ktnstheater01
"Bürgerliches Trauerspiel" im WERK X, aktionstheater ensemble, Foto (c) Stefan Hauer

Fazit

Wie vom aktionstheater ensemble gewohnt, gibt uns das Stück Einblicke in die menschliche Psyche und ihre Abgründe. Die meiste Zeit sich vor Lachen schüttelnd ist es dann umso drastischer, wenn ein Charakter plötzlich von seiner Vergewaltigung aus Bundesheertagen berichtet. Und man ein paar Mal schlucken muss, um die Tränen zu unterdrücken. Teilweise weiß man nicht, ob man mit den Charakteren mitfühlen soll aufgrund ihrer Probleme, oder mit sich selbst Mitleid haben soll wegen der eigenen Probleme.

Das aktionstheater ensemble hält uns und unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und bringt uns zum Nachdenken. So vieles passiert darin. So vieles wird gesagt. Sodass die Worte erst nach ein paar Tagen so wirklich bei einem ankommen. Und am Ende könnte man fast denken, dass unser aller Leben ein bürgerliches Trauerspiel ist. Mit oder ohne Corona.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top