THEATER

Feed the Troll

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"Feed the Troll" © Apollonia Theresa Bitzan

Nach dem elften Frauenmord in Österreich wird derzeit erneut über die vielfältigen Ursachen und Formen von Frauenhass diskutiert – offline und online. Der Film "Feed the Troll" von Autorin und Regisseurin Klara Rabl, der sich mit sexistischem Hass im Netz befasst, ist somit erschütternd aktuell.

Ursprünglich war "Feed the Troll" ein Theaterstück, doch nach zwei Pandemie-bedingten Verschiebungen wurde das Werk von der Bühne auf den Bildschirm verlegt: der gleichnamige One-Shot Film, eine Ko-Produktion vom Verein für gewagte Bühnenformen, WERK X-Petersplatz und Okto, feierte am 21. April Filmpremiere, und ist derzeit unentgeltlich als Stream erhältlich.

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"Feed the Troll" © Zornelia

"Heute geht's um das Internet. Traurige Geschichte" – so das Resümee eines durchaus informativen Rückblicks auf die Evolution des Internets in "Feed the Troll". Ursprünglich als Ort des zivilisierten, globalen Ideenaustauschs gedacht, wurde das World Wide Web dank Design-Features wie weitreichender Anonymität auch zu einem – zumindest zu Beginn – praktisch rechtsfreien Raum, an dem laut Umfragen eine von drei Frauen/Mädchen Gewalt erlebt. Zwecks Lösung dieses Problems meinen die drei Protagonistinnen des Stücks, gespielt von Sonja Kreibich, Aline-Sarah Kunisch und Anna-Eva Köck, eine "cyberfeministische Geheimwaffe" gefunden zu haben. Doch dann kommt alles ganz anders.

Das Stück startet etwas zaghaft, nimmt jedoch an Fahrt auf. Den einen oder anderen Allgemeinplatz verzeiht man gerne aufgrund der einnehmenden Selbstironie und Selbstreflexion, die dieses Werk auszeichnen. Schließlich darf Aktivismus "manchmal konfus" sein. "Feed the Troll" liefert keine stringente Argumentationslinie, sondern eine Reihe assoziativer Stimmungsbilder, inklusive charmanter musikalischer Darbietungen. Nicht jede*r wird sich darauf einlassen können. Wer es tut, wird aber durchaus zum Nachdenken angeregt. Beeindruckend ist die spielerische Dynamik zwischen den drei Darstellerinnen, die sich sichtlich lange und intensiv in ihre Rollen einarbeiten konnten. Im letzten Drittel folgt eine besonders bittersüße musikalische Einlage von Anna-Eva Köck, als Meta.

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"Feed the Troll" © Apollonia Theresa Bitzan

In dem anschließenden Gespräch zwischen Klara Rabl und WERK X-Petersplatz-Intendantin Cornelia Anhaus geht es nicht nur um Lösungsansätze gegen den Online-Hass, sondern auch um die turbulente Entstehungsgeschichte von "Feed the Troll". Aus einer traditionell konzipierten Theaterproduktion wurde im Verlauf einer kompletten konzeptuellen und teils auch textlichen Überarbeitung – und dank des überaus kreativen Einbaus digitaler Stilmittel – ein One-Shot Film. Dieser ist deutlich aufwändiger und lebendiger gestaltet als die meisten anderen Online-Theater-Streams, mit denen wir im Pandemie-Jahr so vertraut wurden. Die Kamera ist Teil des Geschehens, die vierte Wand nicht vorhanden, und so haben Zuschauer*innen das Gefühl, mitten auf der von Sophie Tautoris düster-dystopisch gestalteten Bühne zu stehen.

"Feed the Troll" ist als Video-on-Demand bis auf Weiteres in der Oktothek von Okto TV abzurufen. 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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