THEATER

Endlich wieder im Theater!

Das E3 Ensemble gab im OFF THEATER Wien in der Kirchengasse sein neues Stück "MUTTER" zum Besten. Zum ersten Mal sah ich ein Stück dieser Gruppe auf einer Bühne. Schon lange habe ich im Theater nicht mehr so viel gelacht.

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"Mutter", E3 Ensemble, Foto © Thomas Steineder

Ein Philodendron bringt den Stein ins Rollen

Am Anfang war nicht das Wort, sondern eine Pflanze, die scheinbar vom Himmel fällt. Denn gesprochen wurde in etwa den ersten zehn Minuten des Stückes nicht. Die drei Schauspielerinnen Isabella Jeschke, Michaela Schausberger und Gerald Walsberger sowie die drei Musikerinnen Markus Pechmann, Dario Schwärzler und Anna Tsombanis kommen auf die Bühne, scharren sich daraufhin um dieses kleine Pflänzchen und wissen eigentlich gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Nicht nur das, sie erkennen einige Minuten nicht, was das da vor ihnen eigentlich ist. Der Philodendron – wie sich später im Stück herausstellt – bleibt die ganze Zeit über wie ein heiliger Gral, den es um allen Preis zu retten gilt.

Ernste Themen

So beginnt dieses fabelhafte Stück. Einen geradlinigen Handlungsstrang oder eine zentrale Erzählung gibt es nicht, aber das ist es, was dieses Stück ausmacht. Es bietet unterschiedliche, lustige Reflektionen über das Leben – vermutlich über das Leben einer gewissen Altersgruppe. Es macht nachdenklich. Es setzt sich auf sehr subtile Art und Weise mit wichtigen Themen unseres Alltags auseinander, wie Tod, Liebe und eben Wurzeln, die der Pflanze eindeutig fehlen. Zwischenzeitlich kommt die Hektik unseres Alltags im Stück zum Vorschein, wenn die Schauspielerinnen kreuz und quer herumlaufen oder alle gleichzeitig miteinander reden. Wobei wir uns doch endlich alle mal entspannen sollen! Und so erkennt man sich manchmal als Zuseherin in diesen Personen auf der Bühne wieder, zum Beispiel wenn Isabella davon erzählt, dass sie von einer Beziehung in die nächste eilt oder Michaela von ihrem Aufwachsen auf dem Land berichtet. Und wenn man sich in den Schauspielerinnen und der jeweiligen Situation nicht selbst sieht, dann empfindet man ein unglaubliches Mitgefühl mit ihnen.

Zwischen den Zeilen

Besonders Lob sei an dieser Stelle an die Mimik und Gestik aller Beteiligten ausgesprochen. Wie sich innerhalb weniger Millisekunden der Ausdruck der Augen ändern konnte oder der Gang einer Person eine Emotion ausdrucken konnte, beobachtete ich mit staunenden Augen. Wie sich die Schauspielerinnen am Boden in der Erde für die Pflanze wälzten und ich den Eindruck hatte, dass sie dort gerne selbst Wurzeln schlagen würden. Vielleicht ist mir das alles auch so bewusst aufgefallen, weil der Saal eher kleiner war, aber mittlerweile bin ich der Meinung, dass dieses Stück (und vielleicht auch so manch anderes) in kleinem Rahmen perfekt funktioniert, weil dadurch eine gewisse Intimität mit dem Publikum hergestellt werden kann.

Empfehlung

Mehr und mehr erobern "nicht-klassische Theaterstücke" (wie wir es etwa von den großen Häusern dieser Stadt gewohnt sind) die Wiener Bühnen. So wie "MUTTER". Das E3 Ensemble ist eine große Empfehlung für alle Theaterliebhaberinnen und solche, die es noch werden wollen. Das nächste Stück von ihnen kommt bestimmt.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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