Wiener Blei in der Leopoldstadt

wienlesenLOGO klein Dieser Artikel ist Teil unserer Serie WIEN LESEN

Das Argument ist naheliegend, dass ein jedes Wien, in dem eine fiktive Handlung verläuft, auch ein fiktives Wien ist, sei die Handlung dabei noch so realistisch. Doch das Buch, das heute vorgestellt werden soll, bewegt sich in einer anderen Fiktionalität. Nicht nur, dass die Handlung in der Zukunft stattfindet, nein. Es handelt sich auch noch um ein ganz offensichtliches Werk der Cyberpunk/Sci-fi-Fantasy-Literatur.

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Leo Lukas, "Wiener Blei" aus dem Shadowrun-Universum © Ulisses GmbH

Was ist das "Shadowrun"-Universum?

Um das Buch sinngemäß vorstellen zu können, bedarf es einer Erklärung der Begriffe, welche immer wieder fallen müssen, um einen Zusammenhang zur Welt herzustellen, in der "Wiener Blei" angesiedelt ist. Zunächst einmal handelt es sich hier um eine Geschichte aus dem "Shadowrun"-Universum. Dabei handelt es sich um ein alteingesessenes, 1989 erschienenes Rollenspiel, das zwar bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, aber weiterhin sehr beliebt in der Rollenspielszene ist und eine ungebrochene Faszination auf all jene ausübt, die sich nicht zwischen Scifi und Fantasy entscheiden können oder wollen. Wie alle Rollenspiele lebt auch "Shadowrun" von einer lebendigen, umfangreich ausgearbeiteten Welt, die im Hintergrund für das Spiel als Kulisse dient. Natürlich ist es dann auch nur noch eine Frage der Zeit, das lokale Autor*innen ihre jeweiligen Heimatländer in diese Welt integrieren wollen, da "Shadowrun" im Gegensatz zu in komplett fremden Welten in der nahen Zukunft der unseren angesiedelt ist. So geschah es auch 2001, dass der Autor Leo Lukas den Roman "Wiener Blei" in Wien des Jahre 2058 spielen ließ und dabei ein buntes Pastiche aus "Kaisermühlen Blues", "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Bladerunner" und "Ghost in the Shell" kreierte.

Quo vadis?

Doch zu welchem Bezirk hat "Wiener Blei" den größten Bezug? Ein Roman, der quer durch Wien und schließlich ganz Österreich führt? Ich würde sagen: zum 2. Bezirk, Leopoldstadt. Denn dort beginnt die Handlung im Frühjahr 2058, genauer gesagt im Prater. Nach einem Nachmittag mit etlichen Krügerln Spritzer bei Molnár - ein fiktiver Wirt ganz sicher ohne Bezug zur gegenwärtigen Realität - kommt es dort nämlich zu einer verhängnisvollen Konfrontation zwischen dem stark angetrunkenen und ohnehin fast ausgebrannten Magier Donner und dem brutalen, sadistischen Straßensamurai Superfritz. Donner wird letztendlich ohnmächtig in den Donaukanal geworfen, wo ihn sein Freund, der junge Ork Pepi, rettet. Hier ist die Beschreibung der "Praterszene" hervorzuheben, die Lukas gekonnt darstellt: Prater-"Strizzis" und allerhand marginalisierte Personen stehen im Mittelpunkt, die sonst nur am Rande der Gesellschaft wahrgenommen werden. Der semi-legale Raum des Praters wird zum Ausgangspunkt eines fantastischen, aber auch zynischem Abenteuer, denn um es Superfritz heimzuzahlen holt Donner einige Gefallen ein, darunter auch von einigen recht zwielichtigen Gestalten.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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