Post aus: Krakau (Sommer)

An die 760.000 Einwohner leben innerhalb von Krakau und jährlich strömen an die ca. neun Millionen Besucher in die ehemalige Hauptstadt Polens. Diese ist, neben Prag und Budapest, eine der beliebtesten Reiseziele in Mitteleuropa. Das Stadtbild wird geprägt von Gotik, Renaissance sowie Barock. Vom Flughafen aus gelangt man mit dem Bus, welcher direkt vor dem Terminal abfährt und umgerechnet nur ein paar Taler kostet, rasch in die Innenstadt. Ich erreichte die Stadt am frühen Morgen mit der Bahn. Anders als bei meiner Kollegin Stefanie Braunisch, welche in Dublin Sonnenschein satt hatte, regnete es bei mir bereits bei der Ankunft.

Der Hauptbahnhof Glowny ist nur einen Katzensprung von vielen Sehenswürdigkeiten entfernt, allerdings rate ich vorsichtig zu sein, wenn man mit dem Schlafwagen, in meinem Fall eine Dirketverbindung von Wien nach Krakau, fährt. Denn mir wurde während der Fahrt mein Laptop, sowie allerlei was sich in meiner Tasche befand, entwendet. Der Start für den Aufenthalt in Krakau, welchen ich mir im Geiste schon herrlich ausgemalt hatte, war demnach etwas getrübt. Aber solch ein Vorfall kann jedem und überall passieren.

Das Hotel, in welchem ich vier Tage lang nächtigte, trägt den Namen Apart Hotel Stare Miasto. Ein sehr altes Haus, welches sich zur Zeit im Aufbau befindet. Dadurch gibt es tagsüber ein paar Bauarbeiten, doch bemerkt man diese nicht, da man auf Entdeckungstour ist. In der Umgebung sind mehrere kleine, von außen sehr süß aussehende Hotels, in welchen man sicherlich ebenfalls kostengünstig unterkommen kann. Gleich ums Eck befindet sich das Café Botanica in der Bracka Straße Nummer 9. Ein süßes Café und, wie der Name schon sagt, mit vielen Pflanzen, von dort aus kann man gut seine Route für den Tag planen - außerdem sehr amüsant, wenn man durch das Café nach ganz hinten zu den Sitzmöglichkeiten geht, kann man in das Apart Hotel Stare Miasto auf die Rezeption und den Eingang sehen.

Doch ich empfehle es, sich zunächst einmal treiben zu lassen. Schlendert man die Bracka hoch, so ist man innerhalb von zwei Gehminuten auf dem Hauptplatz Rynek Glowny in der Innenstadt. Ich glaube, alle Wege führen dort hin. Es ist der Dreh- und Angelpunkt, außerdem auch Ausgangsort vieler Touristen. In der Mitte dieses gewaltigen Platzes, welcher für den allgemeinen sonstigen Maßstab von Krakau wirklich riesig ist, befinden sich die bekannten Tuchhallen (siehe Foto), welche auf Polnisch Sukiennice genannt werden. Geschützt vor Regen kann man hier wunderbar Souvenirs für die Daheimgebliebenen erstehen. Unter den Tuchhallen wurde im September 2010 ein neues, unterirdisches Museum eröffnet. Aufgrund von archäologischen Ausgrabungen am Marktplatz können nun Bauten und Wände aus dem Mittelalter besichtigt werden. Doch würde ich eine frühzeitige Reservation empfehlen, da die Tickets schnell vergriffen sind.

Ein ebenfalls interessantes Erlebnis stellt die Marienkirche (Bazylika Mariacka) dar, sie befindet sich gleich neben dem Hard Rock Café am Platz. Täglich um 11:45 Uhr kann man hier miterleben wie der Altar geöffnet wird. Doch Achtung, Touristenabzocke! Geht lieber eine halbe Stunde vor Öffnung durch den Haupteingang für Gläubige, ungeachtet der Schilder, dass Touristen den Seiteneingang nutzen sollen. Ihr müsst sonst nur unnötig Geld bezahlen. Wenn ihr ein wenig früher dort seid, bekommt ihr in der Kirche in der Regel einen schönen Platz und könnt die Atmosphäre auf euch wirken lassen. Aufgrund ihrer Architektur und Geschichte ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt. Ebenfalls ein touristisches Highlight sind die stündlich stattfindenden (sehr kurzen!) musikalischen Momente, in denen ein Feuerwehrmann aus den Fenstern der Marienkirche die alte Krakauer Hymne auf einer Trompete bläst - dieses Spektakel wird sogar täglich um zwölf Uhr im Radio übertragen.

Wenn ihr das Zentrum mit all seinen kleinen Seitenstraßen ausreichend erkundet habt, ist es nun an der Zeit sich in Richtung Kazimierz zu begeben, das hippe jüdische Viertel von Krakau. Es liegt am linken Ufer der Weisel und ist nur knappe 15 Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Am besten gelangt ihr dort hin, wenn ihr die Grodzka hinab schlendert und unbedingt einen süßen Zwischenstopp in der Chocolaterie Karmello am Platz Wszystkich macht. Dort gibt es eine breite und vor allem bunte Auswahl an fantastischen Pralinen, welche sich auch jeder Student ohne Gewissensbisse leisten kann. Ein bisschen Wartezeit muss man meistens in Kauf nehmen, da der kleine Laden stets gut besucht ist und sich schon mal eine Schlange bis vor die Tür bilden kann.

Im Jahre 1494 wurden die Juden aus Krakau vertrieben und siedelten sich in Kazimierz wieder an. Daher trägt der Stadtteil neben diesem Namen auch noch den des "jüdischen Viertels". Im Laufe der Zeit entstanden mehrere Synagogen - die bekannteste davon ist die Remuh Synagoge. Der drittälteste jüdischer Friedhof aus dem Jahre 1551 erschließt sich dem interessierten Besucher dahinter. Dort liegt auch der Rabbi Moses Isserles (1520 - 1572), welcher, zum Gedenken an seine sehr jung verstorbene Frau, die Synagoge erbaute. Die Männer bekommen am Eingang eine Kippa ausgeliehen und gegen einen sehr niedrigen Eintrittspreis von umgerechnet 1,50 € kann jeder den Friedhof besichtigen.

Neben den Spuren der Vergangenheit spürt man aber auch deutlich das Pulsieren der Gegenwart - in Form von vielen Cafés, Clubs und Künstlerateliers. Der Stadtteil erlangte Berühmtheit durch den Film "Schindlers Liste", welchen Steven Spielberg 1993 in Kazimierz drehte. Der wahre Ort des Geschehens, Schindlers Fabrik, liegt nicht weit entfernt und es gibt zahlreiche, preiswerte geführte Touren, die Besichtigungen anbieten. In Kazimierz trifft alt auf neu - die knappen 160.000 Studenten haben das Viertel zum Feier- und Ausgehort für sich erkoren. Alkohol bekommt man hier für ganz kleines Geld und auch schmackhaft essen gehen ist für den Geldbeutel nicht belastend.

Krakau ist in dieser Hinsicht ein wahr gewordener Traum eines jeden Studenten und Besucher. Die meisten Clubs und Bars befinden sich geschützt vor den Augen der Horden an Besucherströmen in Hinterhöfen oder Kellergewölben. Es hat den Anschein als trauen sich die meisten Besucher auch gar nicht hinein. Wenn die Nacht herein bricht, wird die Stimmung eine ganz andere. Das Flair schlägt um und überall wird die Musiklautstärke hochgedreht. Besonders beliebt ist das Alchemia, eine von außen - vor allem am Tage - unauffällige Bar bzw. Club. Drinnen wirkt alles düster und geheimnisvoll. Es hat den Anschein, als würde in jedem Moment ein alter Hexenmeister hinter dem Tresen hervortreten, um einen mysteriösen Sud zu brauen. Die schweren Vorhänge vor dem Fenster tragen zu dieser Stimmung bei. Im Sommer soll sich auch viel vor der Bar abspielen, mit Blick auf das Treiben am Platz Nowy. Doch da ich bei meinem Aufenthalt meistens von Regen begleitet wurde, war mir dieses Feeling nicht vergönnt.

Trotz Regen ist der Blick über die Stadt vom Wawelhügel aus sehr schön. Dort befindet sich eine Burganlage, die ehemalige Residenz der Könige. Ich empfehle es, einen Audioguide zu holen und sich damit über die Anlage leiten zu lassen. Es gibt einige nette Anekdoten und man kann der Sage lauschen, welche sich um den Hügel rankt.

Leider schaffte ich es nicht nach Podgórze - ein sehr geschichtsträchtiger Stadtteil von Krakau. Der Weg des Gedenkens sollte jeden dort hinführen, der mehr über das jüdische Leben dort erfahren möchte. Das am rechten Weischelufer gelegene Stadtviertel Podgórze ist geschichtlich sehr eng mit dem Holocaust der Krakauer Juden verwoben. Sie wurden im Ghetto eingesperrt, welches im Jahre 1941 in Podgórze errichtet wurde. Auf dem Platz der Helden mussten sie sich versammeln, um dann in die Lager Belzec oder Auschwitz-Birkenau deportiert zu werden. Beschauen kann man auch erhaltene Teile der Mauer des Ghettos in der Lwowska Straße 25 - 29. Dort halfen die Eltern von Roman Polanski ihrem jungen Sohn über die Mauer, um ihn vor der Deportation zu retten.

Wie bereits zu Beginn erwähnt, gibt es für jedes Interesse das Passende zu entdecken. Krakau ist eine Stadt voller spannender Ecken und mit viel geschichtlichen Hintergünden. Ich freue mich schon auf einen weiteren Aufenthalt. Wenn die Sonne dazu noch scheint, kommt der Glanz der Stadt bestimmt noch um ein Vielfaches besser zur Geltung.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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